28.Spieltag (H) – 1.FC Union Berlin

FC St.Pauli – 1.FC Union Berlin 0:0
Tore: Möööp
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.500 Unioner)

Geburtstag haben, an einem Heimspieltag.
Klingt ganz cool? Naja… ist es auch, immerhin kann man sich die Party sparen und später trotzdem behaupten, man habe mit 30.000 Leute gefeiert.
Leidglich die “Happy Birthday – und das Geschenk gibts ja später vom Team!“-Grüße lassen mich immer etwas zusammenzucken, denn erfahrungsgemäß geht das meist schief.

Meine persönliche Bilanz am 1.April bisher:

  • 1.4.2013: SC Paderborn, 2:2 (das Tschauner-Tor)
  • 1.4.2011: FC Schalke 04 (Spielabbruch)
  • 1.4.2006: Chemnitzer FC, 3:2 nach Halbzeitrückstand, Shubititze und 2x Meggle.
  • 1.4.2005: Borussia Dortmund II, 0:0

Hinzu kommt ein 1:2 in Unterhaching 1999, bei dem ich allerdings nicht vor Ort war, weitere Spiele waren dann vor meiner Zeit.
Außer bei der “Premiere” gegen Dortmunds Nachwuchs also immer irgendwie was los, aber eben auch nur ein Sieg aus vier Heimspielen bzw. ein Sieg aus fünf Spielen wenn man das Spiel in Unterhaching mitzählt.

FC St.Pauli - Union Berlin, 1.4.2016

FC St.Pauli – Union Berlin, 1.4.2016

Nun also Union, pauschal ja eins der Heimspiele auf die man sich mehr freut als auf andere, insbesondere bei Flutlicht.
Irgendwie aber schon weit im Vorfeld dieses “Naja, es geht halt um nichts mehr.“-Gefühl, welches sich vor einem 28.Spieltag ja bei uns auch nicht allzu häufig einstellt, denn in aller Regel geht es da meist für uns noch um das Fahrstuhlticket nach oben oder unten.

Trotzdem natürlich bei bestem Fußballwetter allgemeine (entspannte) Vorfreude, ein voller Gästeblock, der DOM im Hintergrund, Nina Hagen in den Lautsprechern.

Und danach eigentlich nur noch drei Situationen, die sich lohnen hier erwähnt zu werden, denn über das Spiel sollte man möglichst schnell den Nebel des Vergessens schweben lassen, typisches 0:0 eben, mit leichten Vorteilen für Union.

Zum Einen war da das Abseitstor für Union, welches laut Zeitlupe wohl zurecht nicht gegeben wurde. Allerdings wollte St.Pauli dies schnell in einen Konter ummünzen, Himmelmann wollte den Freistoß schnell Richtung gegnerische Hälfte ausführen und ein St.Paulianer wäre dann wohl alleine auf das Tor zu gelaufen. Dies verhinderte Christopher Quiring ebenso unsportlich wie geistesgegenwärtig.
Und hier zeigte sich wieder die Kehrseite des Schiedsrichterwissens, denn während Junior völlig außer sich war und “Mindestens Rot!” für “Klares Tor verhindert!” forderte und die Tränen  nur mühsam zurückhalten konnte, musste ich ihm sanft beibringen, dass Bibiana Steinhaus hier mit Gelb durchaus die korrekte Farbe aus der rechten Hosentasche gezogen hatte.

Der zweite Aufreger ging an den meisten Besuchern wohl eher vorbei:
Irgendwann in Hälfte zwei präsentierte die Unioner Ultrafraktion ein “St.Pauli & Union: Blutsbrüder“-Banner… so weit, so unverständlich. Denn insbesondere in Ultra-Kreisen ist eine “gewisse” Abneigung beider Klubs nicht gerade ein Geheimnis und es kam hier in der jüngeren Vergangenheit auch zu Vorfällen auf beiden Seiten, die dies absolut erklärlich erscheinen lassen. Das Tischtuch ist zerschnitten, fertig.
Während ich also noch stutzte, kam dann Sekunden später auch schon die Aufklärung: Die 2-3 Reihen Ultras unten am Zaun gingen dann steil und freuten sich wie Bolle über 10-15 “erkämpfte” braun-weiße Fanutensilien, die stolz präsentiert wurden.
Den Blutsbrüder-Spruch verstehe ich dann zwar immer noch nicht, insgesamt ist dieser Teil von “Fankultur” einer der wenigen, der mir komplett fremd ist und den ich einfach nur affig und bescheuert finde. Insbesondere, wenn man sich die Geschichten von St.Paulianern anhört, denen in Berlin die Sachen abgezogen wurden, wo es in den allermeisten Fällen nämlich einfach nur normale Fans traf, die in ca. zehnfacher Unterzahl um ihre Utensilien gebracht wurden. Chapeau.
Pimmelfechten auf RTL2-Niveau.
Immerhin ignorierte das restliche Stadion diesen Kindergarten, völlig zurecht.
(P.S.: Danke für die Hinweise, es folgte nach “Blutsbrüder” noch ein “April, April!”-Banner. Genau mein Humor… wenn man es denn dabei belassen hätte.)

Schließen möchte ich dann aber mit dem emotionalen Highlight des Spiels, welches wohl die Minute 76 war. Zunächst wurde Benjamin Köhler eingewechselt, welches bereits am vorigen Spieltag an der Alten Försterei für Gänsehaut sorgte und nun auch am Millerntor von beiden Seiten mit viel Applaus bedacht wurde. Weiterhin alles Gute!
Und aus St.Paulianer-Sicht gab es dann unmittelbar darauf mit Ryo Miyaichi auch eine sehr lange ersehnte Einwechslung, denn bekanntlich hatte sich die Neuverpflichtung noch vor Saisonbeginn in einem Testspiel einen Kreuzbandriss zugezogen und lief damit jetzt zum ersten Mal in einem Pflichtspiel für Braun-Weiß auf.

Ansonsten gibt es, wie eingangs erwähnt, nicht viel zu berichten und ich schließe daher mit der Hoffnung, dass wir die Saison anständig zuende spielen und am Ende auch Platz 4 oder 5 dabei herausspringt.

Verein am Wochenende

Das Wochenende stand unter dem Motto “Derbysieger” und begann bereits am Donnerstag, mit dem Pokalhalbfinale im Oddset-Pokal der Frauen.
Verbandligaspitzenreiter FCSP empfing den in der Regionalliga im Abstiegskampf befindlichen hsv, einige lesenswerte Hintergründe zur Historie dieses Vergleichs findet Ihr hier.
Die “Feldarena” war schon seit Wochen “ausverschenkt”, die Stimmung dem Rahmen durchaus angemessen.St.Pauli begann energischer, der hsv zeigte sich spielerisch reifer und technisch etwas versierter, konnte dies aber nicht wirklich in eine Überlegenheit ummünzen, so dass es bei einer Feldüberlegenheit des FCSP blieb.
Als man dann langsam erwarten konnte, das sehr junge Team des Gastes würde nun langsam die Nervosität abschütteln, traf St.Pauli zwei Mal und ließ sich dann auch vom Gegentreffer kurz vor der Pause nicht mehr aus dem Konzept bringen.
Am Ende stand ein verdientes 4:1, welches wohl auch im Vorgriff auf die nächste Saison, bei der man dann ja hoffentlich in der Regionalliga antreten darf, einiges an Selbstbewusstsein gegeben haben dürfte.
Szenen vom Spiel gibt es bei elbkick.tv, einen ausführlichen Bericht mit Bildern beim Torknipser und Kapitänin Inga wird am Mittwoch zu Gast beim MillernTon sein.
P.S.: Auch bei Stefan Groenveld gibt es Text und (wie immer: großartige) Bilder, wie konnte mir das entgehen.
Das Finale gegen Regionalligist Bergedorf 85 findet wohl am 5.Mai in der Hagenbeckstraße (Wolfgang-Meyer-Sportanlage) statt.

Das nächste Derby stand bei der U19 an, die den Stellinger Nachwuchs heute am Königskinderweg empfing.
Insgesamt ein sehr ansehnliches Spiel mit viel Tempo, welches auch gut 2:2 oder ähnlich hätte enden können. Eine Unachtsamkeit nach wenigen Sekunden brachte unsere Jungs allerdings auf die Verliererstraße und Torschütze Bibie Njie konnte in der 63.Minute nochmal nachlegen und den 0:2-Endstand herstellen.
St.Pauli hingegen vergab auch beste Einschußmöglichkeiten und scheiterte wahlweise an Keeper Behrens oder dem Aluminium.
Beste Spieler auf unserer Seite waren aus meiner Sicht Marcell Sobotta und Irwin Pfeiffer.

Am Abend gab es dann im Handball Derby 3 und 4, beides in der “Hölle Budapester Straße”, wo sich zunächst die 2.Damen des FCSP und die 1.Damen des Nachbarn gegenüberstanden.
Der Tabellensituation entsprechend ging Braun-Weiß als krasser Außenseiter ins Rennen und aller Willen konnte dann auch nichts daran ändern, dass das Spiel mit 14:27 verloren ging.
Anschließend trafen die jeweils 1.Herren beider Vereine aufeinander, wobei es sich beim hsv genauer gesagt ja um die 2.Mannschaft jenes gescheiterten Konstrukts namens hsv Handball handelt und nicht um den eigentlichen Verein.
Da deren Lizenzspielerteam ja aber inzwischen erfolgreich abgewickelt wurde, soll mit diesem Team jetzt der Neuanfang beginnen, der Aufstieg in die 3.Liga ist so gut wie sicher und bisher gab es für den Spitzenreiter auch erst eine Saisonniederlage.
Da konnte der Tabellenvierte aus St.Pauli eigentlich kein Stolperstein sein… doch am Ende machte die “Buda” mal wieder den Unterschied und nach einem 7:12-Halbzeitrückstand gab es einen umjubelten 24:23-Sieg. Derbysieger, again!  // Frodo

Links:
– Fotos Stefan Groenveld
– Fotos UNVEU
– Vor dem Spiel-Gespräch mit Sebastian vom Textilvergehen
Nach dem Spiel-Gespräch mit Daniel von “Eiserne Ketten”
– Taktik-Blog “Eiserne Ketten
– Bericht MagischerFC: “Aufwachen, Loide!
– Bericht BREITSEITE: “こんばんは
– Bericht und Bilder Zaphod Beebleblox: “Aprilscherze
– Bericht Fangirl1910: “Ro(a)hrkrepierer
– Bericht Nice Guys St.Pauli: “Senfdazu#18
– Podcast zum Spiel beim Textilvergehen: “Der invertierte Tuschekreisel
– Grenzenlos 1910: “Kein Gold auf dem Weg zum Silber

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9 Kommentare zu 28.Spieltag (H) – 1.FC Union Berlin

  1. Gabi sagt:

    Kleine Ergänzung:
    Dem Blutsbrüderbanner folgte ein “April April” Banner, was ich noch recht witzig fand.
    Das mit den Fanutensilien geht dagegen gar nicht.

  2. Andrey Zaitsew sagt:

    Ich bin sehr glücklich, dass die Dinge gut laufen, Genossen!

  3. handball sagt:

    korrekt heißt dieses konstrukt nicht hsv handball sonder hsv hamburg, wobei das hsv für handball sportverein steht…

  4. sutje sagt:

    Kann Christopher Quirings Aktion denn nicht als “grobe Unsportlichkeit” gewertet werden?

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