Schwitzen für Sankt Pauli

Wasser marsch!

„Saufen für St. Pauli“ war in den Nuller-Jahren genauer gesagt, 2003 stilecht mit Retter-Shirt bekleidet, extrem angesagt. Heute hingegen stellte sich einzig und allein die Frage: „Sekt oder Selters“? Angesichts der hohen Temperaturen am Millerntor (und erst recht darin) war Mineralwasser sicherlich zunächst die deutlich bessere Wahl. Zum Sekt (igitt!) kommen wir später… vielleicht, gegebenenfalls, mol kieken.
Der „kicker“ vermutete die folgende Startelf der Kiezkicker: Voll – Ando, Mathisen, Nemeth – Pyrka, Rasmussen, Fujita, Oppie – Hrgota – Kaars, Hara.
Gar nicht so verkehrt. Richtig war dann: Voll – Nemeth, Mathisen, Ando – Pyrka, Rasmussen, Fujita, Oppie, Hrgota – Hara, Kaars.

Zu Beginn agierten vornehmlich unsere Jungs, während sich die Gäste selten in der braun-weißen Hälfte blicken ließen. Und wenn einmal, dann mit ihrem Kapitän Felix Klaus, der nahezu an jeder Aktion der Weiß-Grünen beteiligt war und diese erst gefährlich scharf machte.
In der 25. Minute traf Tomoya Andō den Ball vor dem Tor aus fünf Metern per Kopf nicht sauber, wobei er ungewollt für eine gemeingefährliche Bogenlampe sorgte. Diese konnte Fürths neue Nummer Eins, der erst 18-jährige Florian Hellstern gerade eben noch abwehren.
Nach einer halben Stunde verhinderte Fürths Jannis Heuer dann eine mögliche St. Pauli-Chance. Der Mann mit der „Jackson-Irvine-Gedächtnis-Frisur-samt-Schnauzer“ lenkte die Kugel zur Ecke. Danach ward von ihm lange nichts mehr zu sehen – vielleicht traf er sich noch mit seinem Friseur…
Das Duell des Spiels lieferten sich übrigens Felix Klaus und Ben Voll, der die vom Ersteren kommenden Großchancen der Franken immer wieder abwehrte oder einkassierte. Voll-Chapeau.

Fazit der 1. Halbzeit: Die Kiezkicker präsentierten zahlreiche gute Ideen, die jedoch mangelhaft umgesetzt wurden. Nicht einmal ein einfacher Chipball wollte gelingen und von den Standards ging auch zu wenig Gefahr für den 18-jährigen Fürther Keeper und seinen Kasten aus.
Zahlreiche Zweikämpfe mit den scheinbar dazugehörigen Fouls unterbanden zudem einen ansehnlichen Spielfluss und den Weg in die Spitze fand Braun-Weiß auch nur gelegentlich einmal.

Die 2. Halbzeit konnte also nur besser werden. Und sie begann gleich einmal mit einem doppelten Paukenschlag: Zunächst erzielte unser Neuzugang Marcus Mathisen per Sechs-Meter-Kopfballtorpedo die braun-weiße Führung (47.). Große Freude über den ersten Saisontreffer! Diese sollte allerdings nicht lange währen, denn keine fünf Minuten später fälschte unser eben noch umjubelter Torschütze einen Schuss von Fürths Felix ( = der Glückliche) Klaus äußerst unglücklich ab. Keine Chance für Keeper Voll – 1:1 (51.). Mist.
Fünf Minuten später hatten etliche Anwesende dann bereits wieder den Torschrei auf den Lippen, doch die wahren Fußballexperten erkannten natürlich sofort auf „doppeltes Abseits“ (56.). Doppelter Doppel-Mist!
In der Folgezeit wurde dann reichlich gewechselt, bevor noch einmal das Jackson-Irvine-Imitat auf der Spielbühne in Erscheinung trat. Was er sich da aber leistete, tat schon beim Zusehen mehr als weh. Der kicker-Ticker beschreibt es treffend: „Heuer geht mit Jones im eigenen Sechzehner ins Kopfballduell. Jones nickt die Kugel an seinem Gegenspieler vorbei und wird dann von Heuers Kopf im Gesicht getroffen. Er geht zu Boden und will einen Elfmeter haben“. Zu Recht! Den fälligen Strafstoß gab der ansonsten souverän agierende Schiri Harm Osmers allerdings nicht. Hürzeler und Blessin hätten wohl mindestens „Rot“ gesehen. Marcel Rapp selbst musste sich aber auch ernsthaft zusammenreißen, um nicht zu explodieren. Genau wie weitere knapp 30.000 Menschen, die für die Kiezkicker schwitzten.


Sekunden vor dem Ende sorgte David Nemeth sowohl auf den Tribünen als auch auf der Trainerbank noch für einen kollektiven Herzstillstand. Unser neuer Kapitän hatte das Spielgerät leichtfertig im Rückwärtsgang vertändelt, sodass Ben sich zwischen den Pfosten noch einmal gleich doppelt beweisen musste. Dafür gibt es auch das doppelte Voll-Chapeau.

Gesamtfazit: Es ist noch reichlich Luft nach Oben.

P.S.: So die Fußball(fanzine)götter es denn wollen, gibt es zum nächsten Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Sonntag, 30. August, den druckfrischen Übersteiger #147. Im Stadion, vorm Stadion und ums Stadion herum. So, watch out!
// Hossa

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