18.Spieltag – RW Ahlen (A)

Rot-Weiß Ahlen – FC St.Pauli 0:2 (0:0)
Tore:
0:1 Marius Ebbers (77.), 0:2 Richard Sukuta-Pasu (86.)
Zuschauer: 6.322 (geschätzt 2.500 St.Paulianer)

Ach, war das schön gestern.
Erinnert sich noch jemand an das Spiel in Ahlen in der Zweitliga-Abstiegssaison?
Im März 2003 war es, das Wasser stand uns bereits bis zum Hals, vor diesem 19.Spieltag hatten wir erst zehn Punkte gesammelt, der Abstand zum rettenden 14.Platz (den der KSC inne hatte) betrug sieben Punkte und auch Ahlen war mit 16 Punkten tief im Abstiegsstrudel. Nach einer halben Stunde lag man 2:0 hinten und der Abstieg wurde immer greifbarer. Doch nach Toren von “Patsche” und “Baba” stand es plötzlich doch wieder 2:2 und Hoffnung keimte auf, schließlich hatte das 1:1 gegen die Frankfurter Eintracht in der Woche zuvor auch schon auf eine bessere Rückrunde hoffen lassen. Doch in der 88.Minute traf ein gewisser Zeljko Sopic zum 3:2 Siegtreffer und das zarte Pflänzchen der Hoffnung verwelkte. Warum von allen furchtbaren Erlebnissen in der Saison mir ausgerechnet dieses Spiel so in Erinnerung blieb, lag am Weg zurück zum Ahlener Provinzbahnhof: Ständig klopfte einem ungefragt ein Ahlener aufmunternd auf die Schulter und sprach von “Ey, Ihr seid ja so sympathisch und dufte und kultig, ihr düft nicht absteigen… aber die Punkte heute brauchten wir dringender, ihr könnt die ja noch in den nächsten Spielen holen!” Ich stand wohl noch nie so knapp davor, einen körperlichen Verweis zu verteilen, wie an diesem Spätnachmittag… hätten noch 2-3 Leute mehr (als die ohnehin schon gefühlten 20) diese Form des Mitleids geäußert, hätte ich für nichts mehr garantieren können.

Aber zurück ins hier und jetzt. Ich hab ja letzte Woche nicht unbedingt gejubelt über den 2:0 Sieg gegen Schalke, ein klares 0:8 wäre mir deutlich lieber gewesen, denn Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Und den sportlichen Wert solcher Testspiele erkennt man z.B. auch daran, dass die Ahlener in der Woche gegen den BVB ein 1:1 erzielten.
So dürfte also ein gesunder Grundoptimismus bei den meisten in der Gästekurve geherrscht haben, die nun wirklich nicht zu meinen Favoriten gehört und durch diese unförmige Podest im Mittelblock auch nur unwesentlich aufgewertet wurde, während die andere Kurve inzwischen mit dem Dach recht ansehnlich ist… allerdings eben meist auch leer.

Und das Spiel erfüllte dann leider meine Befürchtungen: Ahlen insgesamt mit mehr Willen und Engagement, unsere spielerische Überlegenheit konnte auf dem Platz Acker kaum greifen, also Gewürge ohne Ende mit Chancenplus für Ahlen. Am Ende standen gar 10:0 Ecken für die Gastgeber sowas gab es wohl auch schon lange nicht mehr, weder für Ahlen noch gegen uns. Takyi ein Totalausfall, Boll fehl am Platz, Bruns von der Rolle, Rothenbach nach vorne grottig, Kruse uninspiriert, Lehmann ebenfalls neben der Spur, Thorandt ein Sicherheitsrisiko… wenigstens erreichte Hain Normalform und rettete 2-3 Mal vor dem Rückstand. Doch meine Halbzeit-SMS mit “Sicheres 1:0 für uns am Ende, wer so scheiße spielt und gewinnt, steigt auch auf!” sollte sich zumindest tendenziell bewahrheiten.

Während ich Stani noch innerlich bepöbelte, dass er mit den Wechseln so lange wartete, schmiedete dieser mal wieder den Masterplan und machte alles richtig. In der 65. kam Rouwen Hennings,  in der 73. Naki und in der 77. gewann Bruns erstmals einen Zweikampf, passte großartig zu Hennings und dessen platzierte Flanke erlief Ebbers durch geschickte Körpertäuschung vor dem Verteidiger… und wie es eben so ist, wenn man oben steht, geht der Kopfball durch die Finger von Kirschstein rein, der vielleicht bei umgekehrter Tabellenplatzierung diesen Ball pariert hätte. Der Rest war Klischee pur: Richard “Super Richie” Sukuta Pasu, mit der Rückennummer 19, U19 Europameister, kommt rein und macht 19 Sekunden nach seiner Einwechslung das 2:0, nachdem er zunächst einen Schuß von Naki abfälschte, den Kirschstein deswegen nicht festhalten konnte und ihn dann eben einnetzte.
Und dementsprechend lautete dann auch meine Twitter Meldung:  “Dank Ebbers und Super Richie 2:0 gewonnen, wer so ein schlechtes Spiel gewinnt, steigt auch auf!

Und auch, wenn ich dieses Mal nicht die Gelegenheit hatte, Ahlener auf dem Weg zum Bahnhof zu trösten, so sprach ich doch gedanklich hunderte von ihnen an und sagte immer wieder: “Ey, Ihr seid ja so sympathisch und dufte und kultig egal, ihr düft nicht absteigen… aber die Punkte heute brauchten wir dringender, ihr könnt die ja noch in den nächsten Spielen holen!” // Frodo

P.S. Ansonsten  amüsiert mich momentan großartig unser Lokalrivale: Während das Abendblatt bereits seit Tagen einen Finger nach dem anderen in diverse Wunden steckt und regelmäßig von “Walachei” oder “fernab der Stadt” spricht, wenn es um die (inzwischen wieder zurückgenommene) Verlegung des WM Fanfestes vom Heiligengeistfeld in die Wasauchimmer-Arena im Volkspark ging, konnte man dann gestern auch noch bewundern, wie gut die Rasenpflege dort funktioniert. Dagegen war der Ahlener Acker ja ein Teppich!

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