1.Spieltag (H) – TSV 1860 München

FC St.Pauli – TSV 1860 München 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Lennart Thy (80.)
Zuschauer: 27.818 (ca. 2.500 Gäste)

So soll es doch sein.
Flutlicht, großartige Atmosphäre, neue Fanräume, neuer Fanladen, neue Spieler, neue Saison… nur nichts neues bei den Heimspielergebnissen gegen die Löwen, zum Glück.

Die Sommerpause hatte ja einige Themen aufgeworfen, das worst case-Szenario von YellowStrom oder gar Vattenfall als Trikotsponsor ist ja glücklicherweise noch an uns vorbeigegangen. Am Donnerstag wurde RELENTLESS als Sponsor vorgeschlagen, ein Energy-Drink aus dem Hause Coca-Cola mit einem Schriftzug, der EdHardy-Fans glücklich machen dürfte. Ich will den Deal gar nicht groß bewerten, der MagischeFC-Blog hat sich bereits dran versucht und ich kann mich da inhaltlich sehr gut wiederfinden. Zur Meinungsbildung seien auch die Kommentare empfohlen, denn ein einfaches “Richtig/Falsch” kann man da kaum herstellen. Zumindest, solange man nicht ganz konsequent entweder dem Profifußball abschwört und den AFC St.Pauli gründet, oder eben andererseits sagt: “Politische Zusammenhänge und die Welt an sich sind mir scheißegal!“. Facebook-Beziehungsstatus dieses Sponsorings also schon jetzt: Es ist kompliziert.

Also hinein ins Glück, welches bekanntlich einen Namen trägt: Millerntor!
Die Malereien auf der Gegengerade wurden erneut bewundert und sind wirklich absolut überragend geworden. Wechselgesänge schon vor dem Anpfiff, dass gefühlt lauteste DIFFIDATI ever, es kribbelte überall. Dann die Entladung bei “Aux armes” und ab dann war es laut, permanent. Und überall. Die Süd hüpfte und sang durchgehend und fast komplett bis zu beiden Außenseiten, der Supportblock Gegengerade stimmte sehr häufig was an, die Singing Area kam oft aus der Hüfte und selbst aus der Nord kam auf Höhe Block 2 ab und an etwas an, was aufgrund der Entfernung sonst nur selten der Fall ist. Ganz großartig. Wenn man sich die Stimmen der Neuverpflichtungen nach dem (ja von unserer Seite stimmungstechnisch nur bedingt existenten) Testspiel gegen Besiktas anhörte, die da schon überschwänglich begeistert waren, so müssen die am Freitagabend ja vor Lachen kaum in den Schlaf gekommen sein.

Das Spiel begann sehr ausgeglichen, bis zum Ende dürfte es wohl ein Chancenverhältnis von maximal 3:3 gegeben haben. Beide Teams neutralisierten sich. Hektik kam dann durch Rob Friend rein, der Bernd Nehrig mit Anlauf umwemmste. Im Stadion schon hatte ich den Eindruck, der geht da mit voller Wucht und Absicht rein, um den Gegner abzuräumen, eine Verletzung absolut in Kauf nehmend. Nach Ansicht der TV-Bilder würde ich da auch bei bleiben. Nichts gegen Luftzweikämpfe, aber mit der Wucht jemanden von hinten umzuspringen und am Kopf zu treffen, in einer derart unwichtigen Spielsituation im Mittelfeld… nee, Vollunsympath. Das anschließende ständige Hingefalle und theatralische Mimosen-Getue tat sein Übriges und Freunde werden er und die Mehrheit der gestrigen Zuschauer wohl nicht mehr.
Klar aber auch: Solche Leute mag man eben nur, wenn sie im eigenen Team spielen. Ich bin trotzdem froh, dass wir seit Marcel Rath ohne derartige Typen auskommen. Michael Frontzeck nahm ihn im Pressegespräch heute auch eher in Schutz, er sei halt ein sehr “physischer Spieler” und mehr als Gelb sei die Szene mit Nehrig dann auch nicht gewesen.
In der Pressekonferenz nach dem Spiel hatte Frontzeck Nehrigs Auswechslung mit “der hat ja acht Schläge an den Kopf bekommen… natürlich alle ungewollt!” noch etwas süffisanter beschrieben.
(Apropos Frontzeck: Wie konsequent er unseren Bochumer Neuzugang “Ratschkoffski” ausspricht, lässt hoffentlich nur auf seinen feinsinnigen Humor schließen.)
Nehrig selbst hat nach dem Spiel von Schwindelgefühl auf dem Platz und Kopfschmerzen gesprochen, daher auf jeden Fall noch Gute Besserung!

Da ich ja seit dem regelmäßigen Konsum von CollinasErben die Schiedsrichter noch intensiver verfolge, sei hier auch Thorsten Kinhöfer kurz erwähnt. Mit vier gelben Karten nach 25 Minuten (Friend, Tschauner, Gonther und Nöthe) hatte er die Latte zwar schnell sehr hoch gelegt, doch es dürfte bei nüchterner Betrachtung an keiner einen Zweifel geben. Tschauner hat da in der gegnerischen Hälfte einfach nichts zu suchen, man hätte höchstens noch Kiraly zusätzlich Gelb zeigen können, Gonthers Foul war taktisch und wichtig. Nöthe hätte, wenn man vorher bei Friend Rot fordert, wohl ebenso runter gehen müssen. Will sagen: Alles richtig gemacht, Chapeau. Und danach wurde es ja auch ruhiger.

Während die ersten zwanzig Minuten eher uns gehörten und der Rest der Hälfte ausgeglichen war, übernahm in Hälfte zwei 1860 die Kontrolle und wurde immer stärker, es roch schon fast nach Gegentor. Doch dann, und da verweise ich jetzt erstmals auf den Podcast, kam Lennart Thy! Derjenige, den ich da als unseren Toptorschützen prophezeit habe. Und was soll ich sagen? Wenn wir kein Tor mehr schießen in dieser Saison, dann hab ich gewonnen!

Okay, muss Kiraly halten, sagte er auch selbst, aber bitte wen interessiert das denn heute noch? Ekstatischer Torjubel, großartiger Support bis zum Schlußpfiff, dann Schlußpfiff, dann Feiern – Millerntor Flutlichtspiel at it’s best!

Eine schöne und laute Ehrenrunde, inlusive inbrünstigem “You’ll never walk alone“, was Frontzeck heute im Pressegespräch auch nochmal explizit erwähnte, während Fabian Boll noch beim sky-Interview stand. Dabei nahm eine junge Dame auf der Gegengerade Blickkontakt zu ihm auf, mithilfe eines mitgebrachten Schilds, auf dem wohl (sehr frei und sinngemäß) “Herr Wachtmeister, ich will ein Kind Trikot von Dir!” gestanden haben muss. Jedenfalls kam Boller dann nach ein paar Metern auf dem Feld wieder zurück zum Zaun und reichte ihr sein Trikot, wofür er (und das ist das eigentlich Großartige an der Geschichte) im Austausch dann ihr Bekleidungsoberteil im Tausch bekam. Herrlich verrückt, diese St.Pauli-Fans…

Und als sich Boll dann wieder zur Mannschaft begeben hatte, kam die Stadionregie mit dem Lied um die Ecke, welches schon gegen Besiktas für Enzückung gesorgt hatte:

Mit “Vicky Leandros – Fußballgott!” hatte ich meine absolute Zustimmung zu diesem Lied schnell in die digitale Welt versendet, doch zumindest auf unserem Facebook-Account gab es auch negative Stimmen. Stimmung von Band hätten wir nicht nötig, das erinnere eher an Mainz 05, von einem “Stimmungsgleichschalter” wurde gesprochen.
Mag man so sehen, ich möchte trotzdem eine Gegenrede führen: Wir sprechen ja nicht von fünfzehn Minuten Hermes House Band-Dauerbeschallung, sondern von einem ca. einminütigem Einspieler, der dann die Mannschaft danach auch nicht wie ein abgesprochenes Zeichen zum Verlassen des Feldes veranlasst. Und die Mannschaft hatte sichtlich Spaß.
Klar aber auch: Das Timing war vielleicht nicht das Beste, später an der Mittellinie beim Feuerwerk-Gucken wäre es deutlich passender gewesen als direkt vor der Süd, als grad alles eh frenetisch abging.

Wie dem auch sei, als alter Freund des deutschen Schlagers (absolut ungleich: Schlagermove) war es mir dann auch ein Vergnügen, kurz den Text abzutippen, falls den jemand auswendig lernen möchte. Und unbeliebt hatte ich mich mit der Verlinkung ja eh schon gemacht, Bitte Danke. (Wobei sie in dieser Version das “zögernd” übrigens nicht singt, sondern irgendein anderes komisches, nicht passendes Wort. Und natürlich ist das Lied eigentlich viel länger, aber ich meine im Stadion wurde auch nur diese kurze Version gespielt.)

Dein Koffer wartet schon im Flur – du lässt mich allein.
Wir sehn uns an und fühlen nur – es muss wohl so sein.
Noch stehst du zögernd in der Tür und fragst -was wird aus dir?

Nein – sorg’ dich nicht um mich
du weißt – ich liebe das Leben
und weine ich manchmal noch um dich – das geht vorüber sicherlich.
Ich frag Dich: Was kann mir schon geschehn? – Glaub’ mir ich liebe das Leben.
Das Karussell wird sich weiterdrehn – auch wenn wir auseinandergehn.

@Moeliw hat auf Twitter schon zurecht angemerkt, dass es natürlich erst dann so richtig formvollendet klingt, wenn man “…und wir liiiiiiiiiieben St.Pauliiii” singt.
Und beim Gastspiel kann man sogar beim Lesen des Berichts ein kleines Schlager-Quiz nebenbei machen, großartig!

Ein paar Worte dann noch zum medialen Aufreger: Das Statement von Stefan Orth gestern im Abendblatt, sowie die ziemlich direkte Attacke von Michael Frontzeck auf der gestrigen Pressekonferenz.
Orth soll also gesagt haben, dass man 1860 deutlich(!) schlage. Frontzeck beschwert sich dabei über den mangelnden Respekt gegenüber dem Gegner und hält dies darüber hinaus auch für unnötige Motivationshilfe für den Gegner.
Wie der Zufall es manchmal so will, hatten wir gestern vormittag ein Interview mit Stefan Orth für den nächsten ÜBERSTEIGER (erscheint gegen Dresden), in dem wir ihn auch auf dieses Zitat angesprochen haben. Er sieht derartige Aussagen eher aus Sicht des Fans, der er ja auch ist. Und wenn er gefragt wird, antwortet er halt.
Nun gut, ich habe vorher auch gesagt wir würden gewinnen… nur wäre dies eben kaum ein nennenswerter Grund, damit die Kabinentür des Gegners zu bekleben. Beim Präsident des Gegners sieht das schon anders aus. Aber die Ansage von Frontzeck war ja deutlich und wahrscheinlich wird sich Orth in Zukunft deutlich bedeckter halten, wenn er in Gegenwart der Presse über Sportliches redet. Das Interview dann wie erwähnt im nächsten ÜBERSTEIGER.

Letztes Thema, ist ja inzwischen auch lang genug geworden:
In der aktuellen BASCH (Glückwunsch zur neu gewonnenen Motivation, bräuchten wir auch mal wieder) schreibt die Braun-Weiße Hilfe über eine Person aus dem USP-Umfeld, die ihren Beruf als Polizist verheimlicht hat und jetzt “aufgeflogen” ist. Spannendes Thema, Details bitte selber nachlesen. Im konkreten Einzelfall kann ich die Konsequenz des Ausschlusses aufgrund der zeitlichen Abfolge gut nachvollziehen, da er auch auf direkte Nachfrage den Beruf leugnete, was natürlich jede Vertrauensbasis zerstörte.
Die BASCH sollte man (ebenso wie den erschienenen KIEZKIEKER) natürlich bei jedem Heimspiel kaufen. Vielleicht interessiert dieses Thema ja aber auch noch jemanden, der sie sonst nicht erwirbt, dann kann man im Fanladen die Ausgabe noch erhalten.
Nachtrag, 24.7.: Inzwischen ist der Text auch online.

Ist spät (und lang) geworden, also Gute Nacht und drei Punkte aus Karlsruhe! // Frodo

P.S. Es gibt ein wunderbares Video mit den Gegengerade-Malereien, erstellt von Yorkshire St.Pauli. Viel Spaß!
P.P.S. Das AFM-Radio hat das Spiel bereits online gestellt, die 2.Halbzeit gibt es hier, das Tor ab 34:50. Gänsehaut.

Links:
– Bilder und Bericht Stefan Groenveld: “Verbale und Non-Verbale Fouls
– Bericht Magischer FC: “Auf zu neuen Ufern
– Bericht Kiezkicker: “Schuß ins Glück
– Bericht Keep calm and follow St.Pauli: “St.Pauli liebt das Leben
– Bericht BeebleBlox: “Am Ende der Gegengerade
– Bericht Gastspiel: “Was kann uns schon geschehen?
– Bericht Niemand siegt am Millerntor: “Thy the game
– Bilder und Bericht Kleiner Tod: “Neugestaltete Gegengerade erlebt Auftaktsieg…
Bilder USP

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4 Antworten auf 1.Spieltag (H) – TSV 1860 München

  1. darktrail sagt:

    “Wie dem auch sei, als alter Freund des Deutschen Schalgers”? Ach was. Es muss “des deutschen Schalkers” heißen. Über eine Verlinkung freut sich der alte Schalkefreund /juli.

  2. Pingback: 1. Spieltag – Thy the game | Niemand siegt am Millerntor

  3. Pingback: Saisonauftakt 2013 / 2014: FCSP vs. 1860 | Sven-Olaf PeeckSven-Olaf Peeck

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