0:5 – Das war gaaaaanz knapp

Kiezkicker trotzen möglichen Meisterschaftskandidaten alles ab!

Konfetti-Alarm! Foto: Tina B.

Da waren sie (schon) wieder, diese Parameter: Abendspiel, Flutlicht, Dom! Und auch am kommenden Freitag gegen Köln werden die bunten Lichter neben dem Millerntor ihre grellen Blitze in den Abendhimmel schießen. Es bleibt aber dabei: Der Dom muss weg!
Kick-off um 18:30 Uhr ist als Start in eine lange Samstagnacht eigentlich bestens geeignet; wäre da nicht diese Zeit, die es bis dahin zu überbrücken gilt. Mit jeder verstreichenden Minute oder, präziser, jedem denkbaren 517-Sekunden-Intervall stieg die Anspannung auf den Straßen zum Millerntor –
und auch vor der Tastatur. Warum 517 Sekunden? Dazu später.

Zunächst gab es die Spiele aus dem Unterhaus, bevor die Ligakonkurrenz beobachtet wurde. So startete der Tag sieben Stunden vor dem Anpfiff mit dem traditionellen „Frühstück“ der Münchner. Auf die weiße Wurst wurde verzichtet und mangels Brezn sowie süßem Senf blieb nur das Weißbier übrig. Das gehört schließlich dazu – treibt die Blase allerdings verlässlich in die gekachelten Räume. Um also ja nichts zu verpassen, wurde der zweite Laptop vorsorglich dann dort platziert. Doch das Weizen schied kurz darauf aber auch aus, als der Aufdruck „alkoholfrei“ auf dem Etikett entdeckt wurde und somit nicht unbedingt Gutes verhieß.

Foto: ratzfatz

Gut war allenfalls das Wetter und so kommen wir zum Spiel: Wie erwartet liefen die Bayern mit einem Mix aus B- und C-Elf auf und ließen die Zungen der Fußball-Gourmets zunächst nur beim Blick auf die Ersatzbank schnalzen: Tah, Upamecano, Pavlović, Kane (alleine er mit 31 Liga-Toren bisher) und auch Luis Díaz sahen zunächst von außen zu. Unseren Jungs egal!

Gästeblock macht Paadie
Foto: ratzfatz

Die von weither angereisten Gäste – Gerüchten zufolge per Flugtaxi eingeflogen – wussten in der Anfangsphase kaum, wie ihnen geschah. Mit der von Trainer Alex Blessin fein ausgeklügelten Überfalltaktik kombinierten sich die in schicken Retrotrikots gewandeten Kiezkicker frech und blitzschnell durch die millionenschweren (nicht vorhandenen Abwehr-) Reihen und suchten kompromisslos den direkten Abschluss. Kurzzeitig wirkte es, als würden die Münchner „(aus-)gezuzelt“ wie eine Weißwurst. Selten war ein Favorit am Millerntor so unter Druck wie der FC Bayern München in den ersten Momenten dieser Partie. Allerdings hielt diese Sturm-und-Drang-Phase der Braun-Weißen exakt 517 Sekunden, dann traf Musiala per schönem Kopfball zum 0:1. Wer also auf eine Überraschung gehofft hatte, wurde wenigstens nicht lange im Unklaren gelassen.
Dennoch: Defensiv standen unsere Jungs über weite Strecken so stabil, dass der Gegner nur zu einer zweistelligen Anzahl an Torchancen kam. Immerhin: Die Trikotfarben harmonierten über 90 Minuten hervorragend mit den Linienmarkierungen und den Kacheln daneben am Spielfeldrand.

Wenn die Füße nicht mit dem Kopf harmonieren…
Oder: Völlig verwandelt kamen die Kiezkicker aus der Kabine
Vorlage: Guido Schröter

Okay, kommen wir zur Realität: Beeindruckend harmlos und entweder konsequent auf Neuer oder neben das Tor zielend gab es außer einem willenlos gewonnenen Zweikampf nicht viel zu bejubeln. Man verteidigte weiterhin mutig – meist allerdings mit zu viel Abstand zum Gegenspieler. Nach dem frühen 0:1 blieb immerhin genügend Zeit, sich auf die kommenden Gegentore einzustellen.

Stats:

09. Minute, 0:1, Musiala
53. Minute, 0:2, Goretzka
54. Minute, 0:3, Olise
65. Minute, 0:4, Jackson
88. Minute, 0:5, Guerreiro
90. Minute, 0:6, Goretzka – aber Abseits

Sie kriegen einfach nicht genug! 105:27 lautet das Torverhältnis der Bayern aktuell. Zum Vergleich: St. Pauli hat bislang gerade einmal ganze 25 Treffer erzielt.
Dass Leverkusen (mit dem Sieg beim BVB) und der FC St. Pauli (mit dem bekannten Ergebnis) die Bayern quasi vorzeitig zum Meister machten, interessiert am Ende keine Sau. Auch dass Bayern im Spiel ihren 54 Jahre alten Torrekord übertrafen, bleibt zumindest für St. Paulianer*innen eher eine Randnotiz.
Am Ende setzte sich erwartungsgemäß die individuelle Klasse durch – und das deutlich höhere Gehaltsniveau (10-fach!). Ebenso bleiben unterm Strich 90 Minuten Lehrstunde – und über 1000 Sekunden, auf denen sich aufbauen lässt. Chapeau! D

Noch ein paar Fakten zum 11. April – dem 101. Tag des Jahres.
2001: Die australische Fußballnationalmannschaft feiert im Spiel gegen Amerikanisch-Samoa mit 31:0 den höchsten Sieg einer Mannschaft in einem offiziellen Länderspiel. In dem Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 schießt der Stürmer Archie Thompson 13 Tore.

2017: Beim Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund werden drei Sprengsätze gezündet, als die Fußballmannschaft des BVB mit dem Bus auf dem Weg zum Westfalenstadion aufbricht. Durch die Explosion werden ein Polizist und der BVB-Spieler Marc Bartra verletzt. Das Spiel wird daraufhin auf den nächsten Tag verlegt.

P.S.: Das Beste an dem Spiel war dann wohl dieser (selbst-) ironische Bericht – oder etwa nicht?
// Hossa

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