Konjunktiv, Hitze, Qualm und ein Remis

Skandal: Kiezkicker verspielen eine 2:0-Führung!

(Alle Fotos: arigrafie)
In der Kurzfassung liest es sich so: Kiel hatte mehr Chancen, St. Pauli allerdings die besseren und vollstreckte diese zweimal eiskalt. Durch die Treffer von Kaars und Hara kamen die Kiezkicker mit minimalem Aufwand noch vor der Pause zur 2:0-Führung. Doch wie in der Vorwoche wurde der Vorsprung nicht über die Zeit gerettet, sondern sogar erneut leichtfertig verspielt. Aus dem Bereich des allseits beliebten Konjunktivs fällt: „Hätte Kaars den Kopfball richtig erwischt, hätte es 3:1 stehen können“ in die Tastatur. War aber nicht so, auch wenn Trainer Rapp sozusagen „konjunktierte“, dass „wir nach dem dritten Tor das Spiel gewonnen hätten“. Wenn dem so gewesen wäre, könnte hier vermutlich auch ein echt guter Nachbericht zu lesen sein. Könnte...

Marcel ist in Kiel unvergessen

Tja, war das denn nun? Ein packendes Spiel mit vier tollen Treffern und einem gerechten Remis? Oder einfach eine an Höhepunkten arme Partie auf keinem sonderlich hohem Niveau, oder doch nur ein lauer Sommerkick inmitten der Baustelle „Holstein-Stadion“? Fakt ist, dass beide Teams erneut Remis spielten und als Gastmannschaft in der noch jungen Saison jeweils bereits eine 2:0-Führung vergeigten.

Die erste Nachricht aus dieser ¾-Spielstätte an der Förde waren die Mannschaftsaufstellungen. Daraus wurde ersichtlich, dass beide Teams die Partie mit den gleichen Startformationen des vergangenen Wochenendes beginnen würden. Kurz darauf die ersten Textnachrichten: „Es sind hier 33 °C. Puuuh!“ und „Nun wird die ‚Hymne von St. Pauli‘ angekündigt. Sie spielen Das Herz von St. Pauli. Die haben hier das Memo wohl noch nicht bekommen!“. Dann die akrobatischen Darstellungen der Cheerleader (gibt’s das eigentlich sonst noch wo im Profifußball?), das herumschlurfende Maskottchen „Stolle“ und noch zwei Funfacts am Rande: „Ausschließlich Ballmädchen“ und „Mannschaftsaufstellung konsequent gegendert, nicht schlecht!“. Zehn Minuten nach Anpfiff wurden dann die ersten „Scheiß Sankt Pauli“-Rufe vermeldet. Laaaangweilig …

Gleiche Startformationen – aber sind die auch eingespielt?

Kurz zum Sportlichen. Bereits nach 120 Sekunden hatte Kaars die Gäste-Führung auf dem Fuß, als er – nach einem bösen Kieler Abwehrfehler – allein auf den KSV-Keeper zulief, um dann nahezu unbedrängt grandios zu verdaddeln. Kiel jagte die Kugel nach einem Eckball zunächst noch deutlich drüber (6.), kurz darauf musste FCSP-Keeper Voll dann eingreifen (10.). Die KSV wagte einige Vorstöße, doch sprang dabei nichts Zwingendes heraus. Nach 32 Minuten lief Kaars plötzlich erneut auf den Kieler Kasten zu und – er traf! Dabei hatte er etwas Glück, dass der Schiri zuvor auf „passives Abseits“ entschieden hatte.
Es blieb dabei: Kiel kam ab und an mal am 16er vorbeischauen, ohne allerdings wirklich gefährlich zu wirken. Kurz vor dem Pausenpfiff markierte Hara den zweiten braun-weißen Treffer. Nach feinem Pyrka-Anspiel vollstreckte der 27-jährige Japaner mit dem rechten Fuß. Dann war Pause in der die Kieler ausgiebig auf ihrer Rest-Tribüne zündelten. Rauch und Qualm stiegen auf und schufen am Kieler Abendhimmel fast schon ein Gemälde.

Mal was anderes als Sonnenfinsternis: „Kunst“ am Kieler Abendhimmel

Auf die zweiten 45 Minuten hätten alle, die es mit Braun-Weiß halten, dann sicherlich gerne verzichten können. Um es abzukürzen: Das erste Gegentor bekommen, dann das 3:1 verpasst (Kaars), den zweiten Gegentreffer kassiert, drei Eckbälle in der Nachspielzeit brachten auch nichts mehr ein, Abpfiff. Aus. Ende. Vorbei. Kein Chapeau heute.
P.S.: Noch neun Tage bis Po(tt)kal!
// Hossa

86 Seiten Hochglanz – zu jedem Spiel!
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