Wer da?

Von Carsten

Die schönste Begegnung der letzten 50 Jahre. Bremen im Bokal.

Die letzten Jahre konnte man sich in aller Regelmäßigkeit fragen, ist wer da, bei Werder? Jemand der irgendwie versucht den Kahn zu retten? Lang sind die Zeiten her, wo ein Micoud über den Platz schwebte und durch Bremen eine überalterte Spielweise abgelöst wurde. Oder als ein Diego in Kombination mit Klose und Klasnic das Grün bewohnte, man schwelgt in Erinnerungen In der anderen Hansestadt. Ach Allofs, Schaaf und Kugelblitz Ailton!

In den letzten Jahren blieb der Erfolg aus, das glückliche Händchen bei Neuverpflichtungen nicht mehr vorhanden und man brachte sich mit kuriosen Transferentscheidungen in ziemlich unruhiges, finanziell sehr schwieriges Fahrwasser. Nicht zu reden von der durchgehend sehr fragwürdigen Auswahl an Trikotsponsoren. Und das nach gefühlten 87 Jahren in Liga 1, internationalen Erfolgen und als Verein, der Verfolger Nummer eins der bajuwarischen Vorherrschaft auf jeglichen nationalen Titel war. Lang ist es her.

Bremer Mannschaftsbus, vor absolutly no reason.

Den Rücken frisch gestärkt mit einem Sieg in der zweiten Pokalrunde geht es also diesen Samstag, zur besten Verdauungsschläfchenzeit, zum Spiel an die Weser nach Bremen. Ja richtig, Bremen! Und das als Tabellenführer. Man hat Bremen, welches ja bekanntlich zu den sympathischeren Vereinen der Fußballlandschaft zählt, den Abstieg nicht gewünscht, auf der anderen Seite freuen sich sicherlich einige auf dieses Auswärtsspiel in beinahe fußläufiger Entfernung (oder mit den Schiff! Hach, das war eine schöne Auswärtsfahrt damals, das Spiel dann selber nicht so, aber die Fahrt!). Jedenfalls: Nach gefühlten 120 Testspielen geht es mal wieder um die besagte Wurst.

Nach dem Abstieg erfolgte in Bremen das überfällige Reinemachen. Alt’Stars’ mussten oder wollten dem Verein den Rücken kehren. Ein paar neue kamen. Unter anderem auch unser ehemaliger (hüstel) „Publikumsliebling“ Marvin Ducksch, der kurz vor Toreschluss im August den Weg aus Hannover an die Weser fand. Dort bildete er mit Niklas Füllkrug und Roger Assalé ein Sturmtrio, welches in Liga 2 (vong Namen her) seinesgleichen sucht. Nach einem relativ soliden Start ist in den letzten Wochen ziemlich Unruhe im Verein aufgekommen, da man sich zu viele Gegentore fing und das Offensivspiel lahmte. Wir als sachverständiges Fachmagazin für Taktik und Co. möchten den Herrn Bode und Herrn Anfang freundlich darauf hinweisen: „Ihr habt drei mal ein und denselben Stürmertyp“. Unabhängig davon, ist Bremen (übrigens wie der BVB) mit dieser Taktik ausrechenbar. Alles auf einen Spieler zuzuschneiden hat selbst in Barcelona damals nicht immer geklappt. Herr Bode und Herr Anfang mögen bei Fragen gerne die Kommentarspalte nutzen. Von den letzten fünf Spielen verlor Bremen drei (gegen den HSV, Dynamo und Darmstadt). Im letzten Spiel in Sandhausen rettete Niklas Füllkrug (in der 4. Minute der Nachspielzeit) zumindest das Remis. Für Bremen zu wenig.

In der zweiten Bundesliga treffen beide Teams zum ersten Mal aufeinander. Die Statistik der ersten Liga spricht überraschend für Bremen. Der letzten Punktgewinn, gegen die Erstvertretung des viermaligen Deutschen Meisters, liegt daher ein wenig zurück. Nach langem blättern in den Archiven findet sich ein Punktgewinn im Jahre 1995, wo Stefan Hanke zum 1:1 Endstand traf, und unser Ex-Co-Trainer Trulsen den Elfmeter zum möglichen Sieg vergab. Es wird also Zeit, diese lange Durststrecke zu beenden und siegreich die Heimreise anzutreten. Jetzt, wo wir eine Pokalrunde nach der anderen meistern, denken wir uns einfach in die „Bokalrunde“ zurück, als wir Bremen überzeugend 3-1 vom Platz fegten (im Kader damals: Schulle, der mit seinem Treffer zum 3:1 den Sack zumachte), zumal Werder ja im aktuellen Pokalturnier ja schon in Runde 1 rausgeflogen sind.

Schulle erinnert sich (bei der “Bokalparty” im Knust im Januar 2016) an die Bokalrunde und wie er das 3-1 gegen Bremen schoss. Als Trainer kann er nun wieder beweisen, dass man gegen Bremen gewinnen kann.

Seit gut zwei Jahren heißt das Weserstadion nicht mehr werbefrei Weserstadion. Jahre diskutierte man in Bremen über den Verkauf und sah sich großem Gegenwind der Fanszene ausgesetzt. Gebracht hat der Verkauf (zumindest als Invest im sportlichen Bereich) nichts. Im Laufe der letzten Jahre wurde das Stadion umgebaut und modernisiert. Nach Abschluss der Umbaumaßnahmen passen aktuell knapp 42.000 Zuschauer ins Rund. Nicht alle haben dabei einen unverbauten Blick auf das Spielfeld. Es gibt da wohl eine Loge, die etwas ungünstig liegt, da waren wohl die Schildbürger in die Baupläne involviert.

Gegen Heidenheim kehrten auch die Ultra-Gruppierungen (zu den es in früheren Tagen freundschaftliche Beziehungen gab) in die Kurve zurück, somit erwartet uns ein volles und emotional geladenes Stadion.
Auf das obligatorischere Schiffshorn, bei Tor für die Heimmannschaft, können wir gut und gerne verzichten.

Aufkleber im Weserstadion.

Bremen, Stadtmusikanten, Rathaus, alles schon gesehen und runtergekaut. Wusstet ihr aber, das in Bremen der älteste Fasswein Deutschlands lagert? Einige Sommerurlauber unter euch kennen Wein nur mit Früchten aus blauen Eimern, aber ja, Wein gibt es auch im Fass. Bis dato durften nur eine Handvoll erlesener Gäste von diesem Wein kosten, bei Auswärtssieg sollte also zwingend ein Antrag am Bremer Ratskeller auf Probeverkostung gestellt werden. Dieser Ratskeller ist übrigens UNESCO Weltkulturerbe, der älteste Ratskeller Deutschlands und auch die größte Lagerhalle für deutschen Wein weltweit. Was sicherlich an der Hanse lag, so ist Bremen auch die erste Stadt gewesen, welche die Erlaubnis zum Handeln mit Kaffee bekam.
Wer nach dem guten Tropfen aus dem Ratskeller ein leichtes Hungergefühl verspürt, ist im Stadtteil Neustadt gut aufgehoben, hier gibt es die höchste Dichte an Dönerläden deutschlandweit.

Bremer Spezialitäten: Wir haben leider keine Ahnung was das alles ist. Aber es gibt ja Dönerläden.


Und in den USA gibt es 12 Orte, die ebenfalls Bremen heißen. Und in Bremen gibt es eine St. Pauli Straße, also man ist praktisch zuhause.

Wer sich immer schon gefragt hat, was der Name Werder eigentlich zu bedeuten hat: Stadtwerder ist eine Halbinsel in Bremen, auf der das erste Spiel- und Trainingsgelände des Vereins lag. Werder bedeutet bzw. bezeichnet eine Flussinsel oder das Land welches vom Fluss aufgeschwemmt wurde. Das Stadion befindet sich zB. auf dem Peterswerder.

Und ganz zum Schluss:
Da Willi Lemke dieses Jahr 75 Jahre alt geworden ist, möchten wir an einen seiner sicherlich bedeutendsten Sprüche erinnern. Calli Calmund „Mensch Willi, du siehst aus, als wäre die Hungersnot ausgebrochen.“ Willi Lemke „und du siehst aus, als wärst du schuld daran!“
In diesem Sinne: 3 Punkte und Rock’n’Roll im RE nach Hause.

Haha… Witzig. Alle Fotos: Ariane Gramelspacher / www.arigrafie.de

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