Kiezkicker trotzen möglichen Meisterschaftskandidaten alles ab!

Da waren sie (schon) wieder diese Parameter: Abendspiel. Flutlicht. Dom! Auch am kommenden Freitag gegen Köln werden die bunten Lichter neben dem Millerntor ihre grellen Blitze in den Abendhimmel schießen. Bleibt: Der Dom muss weg!
Kickoff um 18:30 Uhr ist als Start in eine lange Samstagnacht eigentlich bestens geeignet. Wäre da nicht diese lange Zeit zu überbrücken. Mit jeder verstreichenden Minute – oder präziser: mit jedem denkbaren 542-Sekunden-Intervall – wuchs die Anspannung auf den Straßen zum Millerntor, wie auch vor der Tastatur. Warum 542 Sekunden? Dazu später.
Zunächst gab es die Spiele aus dem Unterhaus, bevor die Liga-Konkurrenz beobachtet wurde. So startete der Tag sieben Stunden vor dem Anpfiff mit dem traditionellen „Frühstück“ der Münchner. Auf die weiße Wurst wurde verzichtet und mangels Brezn und süßem Senf, blieb nur das Weißbier übrig. Gehört schließlich dazu – treibt allerdings die Blase verlässlich in die gekachelten Räume. Um ja nichts zu verpassen, wurde vorsorglich der zweite Laptop dort platziert. Doch das Weizen schied aus, als der Aufdruck „alkoholfrei“ auf dem Etikett entdeckt wurde und somit nicht unbedingt Gutes verhieß.

Gut war allenfalls das Wetter und so kommen wir zum Spiel: Die Bayern liefen wie erwartet mit einem Mix aus B- und C-Elf auf und ein Blick auf die Ersatzbank lässt den Fußball-Gourmet mit der Zunge schnalzen: Tah, Upamecano, Pavlovic, Kane (31 Liga-Tore – ich „Kane“ es nicht mehr hören! – wortwitzelte ein ÜS-Kollege) und auch Luis Diaz sahen zunächst von Außen zu. Unseren Jungs egal!

Foto: JensB
Die von weither angereisten Gäste – Gerüchten zufolge per Flugtaxi eingeflogen – wussten in der Anfangsphase kaum, wie ihnen geschah. Mit der von Trainer Alex Blessin fein ausgeklügelten Überfall-Taktik, kombinierten sich die in schicken Retrotrikots gewandeten Kiezkicker frech und blitzschnell durch die millionenschweren (nicht vorhandenen Abwehr-) Reihen und suchten kompromisslos den direkten Abschluss. Es wirkte kurzzeitig, als würden die Münchner „gezuzelt“ wie eine Weißwurst. Selten war ein Favorit am Millerntor so unter Druck, wie der FC Bayern München in den ersten Momenten dieser Partie. Allerdings hielt diese Sturm-und-Drang-Phase der Braunweißen exakt 542 Sekunden. Dann traf Musiala per schönem Kopfball zum 0:1. Wer auf eine Überraschung gehofft hatte, wurde wenigstens nicht lange im Unklaren gelassen.
Dennoch: Defensiv standen unsere Jungs über weite Strecken so stabil, dass der Gegner nur zu einer zweistelligen Anzahl an Torchancen kam. Immerhin: Die Trikotfarben harmonierten über 90 Minuten hervorragend mit den Linienmarkierungen und den Kacheln daneben am Spielfeldrand.

Oder: Völlig verwandelt kamen die Kiezkicker aus der Kabine
Vorlage: Guido Schröter
Okay, kommen wir zur Realität: Beeindruckend harmlos und konsequent auf Neuer oder neben das Tor zielend, gab es außer einem willenlos gewonnenen Zweikampf nicht viel zu bejubeln. Man verteidigte weiterhin mutig – meist allerdings mit zu viel Abstand zum Gegenspieler. Nach dem frühen 0:1 blieb immerhin genügend Zeit, sich auf die kommenden Gegentore einzustellen.
Stats:
09. Minute, 0:1, Musiala
83. Minute, 0:2, Goretzka
53. Minute, 0:3, Olise
65. Minute, 0:4, Jackson
88. Minute, 0:5, Guerreiro
90. Minute, 0:6, Goretzka – aber Abseits
Sie kriegen einfach nicht genug! 105:27 lautet das Torverhältnis der Bayern aktuell. Zum Vergleich: St. Pauli hat bislang ganze 25 Treffer erzielt.
Dass Leverkusen (mit dem Sieg beim BVB) und der FC St. Pauli (mit dem bekannten Ergebnis) die Bayern quasi vorzeitig zum Meister machten, interessiert am Ende keine Sau. Auch dass Bayern im Spiel ihren 54 Jahre alten Torrekord übertrafen, bleibt zumindest für St. Paulianer*innen eine eher nagende Randnotiz.
Am Ende setzte sich erwartungsgemäß die individuelle Klasse durch – und das deutlich höhere Gehaltsniveau (10-fach!). Ebenso bleiben unterm Strich 90 Minuten Lehrstunde – und über 1000 Sekunden, auf denen sich aufbauen lässt. Chapeau! D
Noch ein paar Fakten zum 11. April – dem 101. Tag des Jahres.
2001: Die australische Fußballnationalmannschaft feiert im Spiel gegen Amerikanisch-Samoa mit 31:0 den höchsten Sieg einer Mannschaft in einem offiziellen Länderspiel. In dem Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 schießt der Stürmer Archie Thompson 13 Tore.
2017: Beim Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund werden drei Sprengsätze gezündet, als die Fußballmannschaft des BVB mit dem Bus auf dem Weg zum Westfalenstadion aufbricht. Durch die Explosion werden ein Polizist und der BVB-Spieler Marc Bartra verletzt. Das Spiel wird daraufhin auf den nächsten Tag verlegt.
P.S.: Das Beste an dem Spiel war dann wohl dieser (selbst-) ironische Bericht – oder etwa nicht?
// Hossa
