34. Spieltag (H) – Erzgebirge Aue

FC St. Pauli – Erzgebirge Aue 2-2
Tore:
1-0 Christopher Nöthe (14.), 1-1 Guido Kocer (28.), 2-1 Sebastian Maier (38.), 2-2 Jakub Sylvestr (62.)
Zuschauer: 27.856 (davon ca. 2.000 Schachter)

Dieser Tag musste irgendwann kommen. Er kam nicht plötzlich, überrascht auch nicht und kam vielleicht sogar genau zur richtigen Zeit – trotzdem war es ein unheimliches Gefühl dem letzten Spieltag entgegen gehen zu müssen. Mit soviel Gewissheit und Wehmut, dass dies ein Abschied werden würde, der eine große Lücke im Herzen von St. Pauli zurücklässt. Seit fast genau drei Monaten durfte sich jede*r selbst auf diesen Abschied vorbereiten, leichter wurde es dadurch nicht unbedingt.

Und so stand der letzte Spieltag – das letzte Heimspiel der Saison 2013/14 – viel zu schnell vor der Tür. Wurde die Sonderzugtour nach Köln noch mit Sonne garniert, präsentierte sich das Wetter diesmal passenderweise unglaublich niederschlagend und baute nicht unbedingt eine gute bzw. bessere Stimmung auf. Vor dem Stadion war eigentlich alles wie immer, vielleicht mehr Menschen als sonst die Fahnen, Tapeten und Pappen mit sich rumschleppten; ebenso die gewohnten Fanzines-Verkäufer überall am rumwuseln. Obwohl ja eigentlich an vielen Stellen immer der Personenkult beim FC St. Pauli abgelehnt wird, zeigte sich die hiesige Fanzine-Presse nahezu identisch in der Wahl des Covers – einen Preis für Medienvielfalt wird dieser Spieltag nicht erhalten. Natürlich trotzdem die gewohnte Qualitätslektüre geschnappt und die letzten Regentropfen vor der Gegengerade genossen. Da der Verein die offizielle Verabschiedung „schon“ um 15:10 beginnen wollte, füllte sich das Millerntor sehr früh, so dass den Spielern ein vernünftiger Rahmen geboten werden konnte. Solche Verabschiedungen sind ja bei uns zum Glück ein wenig persönlicher gestaltet (hihi, er hat Orks gesagt), trotzdem fühlt sich so ein offizieller Kram immer ein wenig distanziert an. Es wurde geklatscht, es wurden Bilder überreicht und ein bisschen gesungen. Sehr nett, jedoch mussten für den wirklichen Abschied noch 90 Minuten Fußball gespielt werden.

Sportlich ging es ja um gar nichts mehr, weder für uns noch für Wismut Aue. Aus dieser sportlichen Sicht musste ja fast neidisch nach Dresden geschaut werden, spannender kann ein letzter Spieltag nicht sein. Bei uns einigten sich die Spieler in den ersten zwanzig Minuten auf ein ansehnliches Landesliga-Gekicke, jede Ballberührung von Boll wurde noch als Erinnerung aufgesogen und zwischenzeitlich das Tor von Nöthe bejubelt. Als hätte irgendjemand ein Filter über das Spiel gelegt, waren Tore zwar nett, aber nicht notwendig. Die Stimmung auf einMinimum gedrückt, die Gegengerade mit einem neuen Negativ-Rekord. Die Süd feierte sich (zurecht) ein wenig selber, probierte anscheinend ein oder zwei neue Sachen aus. In diese Richtung muss honoriert werden, dass die Süd diese Saison echt vernünftig auf die Gegengerade geachtet hat und gerne Gesänge übernommen hat; wie ein nicht-funktionierender Austausch aussieht, konnten wir gestern sehen.

Nach Ausgleich, erneuter Führung und dem Überstehen der Halbzeitpause wurde die Zeit für einen (oder siebzehn) Treffer von Boll immer dünner. Unnötigerweise glich Aue irgendwann aus, unfairerweise fischte Männel einen märchenhaften Schuss von Boller aus dem Eck. Um 17:00 Uhr war es dann soweit, eine Traube bildet sich im defensiven Mittelfeld und verabschiedet Fabian Boll aus dem letzten Halbprofi-Spiel seiner Karriere. Der ansonsten oft überforderte Schiri ließ dies zum Glück zu, auch die Aue-Spieler hätten wahrscheinlich lieber Feierabend gemacht. Eine Viertelstunde durften Schindler und Mohr nochmal Millerntor-Luft schnuppern, bevor pünktlich die Saison 13/14 beendet wurde.

Die Mannschaft kleidete sich geschlossen in Trikots mit der Nummer 17 (geschickt, gab nach dem Spiel bestimmt einiges an Freibier von kurzsichtigen Fans) und Boll schlüpfte in ein eigenes, weißes Shirt. Überall wurden Gesänge angestimmt, „Fabian Boll – Fußballgott“ setzte sich weitestgehend durch und dann kam der verdammte, verdammte Thees Uhlmann mit seiner blöden Gitarre. Puh, „Das hier ist Fußball“ ist ja an normalen Tagen schon für Gänsehaut gut, an diesem regnerischen Sonntag war es einmalig brutal. Boller mit Tränen, die Kurven und Geraden des Millerntors mit Tränen.

Die Süd hüllte sich in Rauch und Farbe, passte meiner Meinung nach wunderbar in die Stimmung (nur der BollerBöller natürlich super unnötig). Warme und liebe Worte von Boll zum Ende, aller-aller-spätestens wird hier bewusst, was für einen wichtigen Menschen und Spieler diese Mannschaft verliert.

Hier wird eine große Lücke hinterlassen, diese einmalige Biographie in unserer Vereinsgeschichte kann so nicht einfach nachbesetzt werden. Diese Verabschiedung sollte ein Plädoyer für die Spieler sein, sich auch einmal auf einen Verein und vor allem seine Fans einzulassen. Denn irgendwann, in einigen Jahren, werden wieder 75% der Fans Tränen in den Augen haben und den nächsten, persönlich unersetzbaren Spieler verabschieden (konkret vielleicht den Sohn von Schachten – sah ja sehr vielversprechend aus). // Daniel

P.S: Großes Lob an den Gästeblock, nahezu geschlossen bei der Verabschiedung dabei zu sein und „mitzufeiern“. Als Erinnerung hat der Zeugwart aus Aue auch gleich mal zwei Nivea-Wasserbälle eingesackt, landen bestimmt bald in der Bucht.

P.P.S: Nur noch zwei Spiele.

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