11.Spieltag (A) – 1.FC Union Berlin

1.FC Union Berlin – FC St.Pauli 3:3 (2:1)
Tore: 0:1 Waldemar Sobota (22.), 1:1 Eroll Zejnullahu (42.), 2:1 Maximilian Thiel (45.), 2:2 Marc Hornschuh (54.), 2:3 Jeremy Dudziak (72.), 3:3 Benjamin Kessel (90. +4)
Zuschauer: 22.012 (ca. 3.000 St.Paulianer)

Vor dem Spiel? Hätte ich den Punkt genommen.
In der Halbzeit? Wäre ich auch mit einem Punkt zufrieden gewesen.
Aber… aber… ach, scheiße.

Es ging also mal wieder an die Alte Försterei, mein zweitliebstes Stadion in Deutschland, nach dem Bochumer Ruhrstadion. (Millerntor außerhalb der Wertung, logisch.)
Nach dem etwas tragischen Ausflug letzte Saison, bekanntlich Juniors erstes Auswärtsspiel ever, sollte es dieses Mal ohne Tränen klappen, so der Plan.
Hat nicht geklappt, so viel sei vorweggenommen.

Die Anreise verlief mit dem ICE absolut entspannt, vom Bahnhof ging es dann Tourimäßig erst mal zum Hackeschen Markt, wo gemütlich ein Frühstück eingenommen wurde.
Und während Junior da so an seinem Croissant mit Nutella kaute, machte mich Facebook darauf aufmerksam, dass Arne sein letztes Spiel verloren hatte.
Lieber Arne, wir kannten uns über Twitter zunächst nur flüchtig, wie es dort eben so ist, wenn man sich gegenseitig folgt aber eben noch nicht live getroffen hat. Beim Pokalspiel letzte Saison aber hat es dann geklappt und über Facebook bekam ich dann erst so langsam Deine Krankengeschichte mit. Arschlochkrankheit.
Mach es gut, wo immer Du bist. Alles Gute und ganz viel Kraft für Deine Frau und Euren Sohn. #TeamArne

(Ja, es gibt derzeit einen “Nachruf” aus dem braunen Sumpf Dortmunds der durch die sozialen Medien geistert, den ich hier aber bewusst nicht verlinke und auch in den Kommentaren nicht freischalten werde. Wer ihn finden will, wird dies auch so schaffen. Ich verstehe auch jeden, der sinngemäß schreibt, dass hier das Ignorieren nicht mehr geht und man derartiges zeigen muss, um es noch stärker zu bekämpfen, aber in diesem Blog wird es keine Links zu Nazi-Seiten geben, Punkt.)

Tja… und so saß ich da, mir war schlecht und ich hätte heulen können, doch mir gegenüber ein strahlender Siebenjähriger der sich auf die Alte Försterei freute.
Lebbe gehd weidda, irgendwie, so also auch dieser Bericht.

Wir fuhren nach Köpenick und am Ostkreuz stieß Thomas (Ex-Blunties) zu uns, den ich ewig nicht gesehen hatte. Auch Berlin ist dann irgendwie doch nur ein Dorf, schön Dich getroffen zu haben!
Den Fußweg von der S-Bahn zum Stadion bewältigten wir dann unbehelligt und stressfrei, wie den ganzen Tag, trotz St.Pauli-Schal und -Mütze bei Junior.

Im St.Pauli-Forum gibt es ein paar Berichte von weniger schönen Erlebnissen, daher von mir nochmal ein paar subjektive Worte zur Beziehung beider Vereine:
Niemand will eine Fanfreundschaft. Fanfreundschaften sind zu 99% ganz großer Scheiß und sinnloser Schwachsinn, der höchstens zum Vermarkten von Freundschaftsmerchandise dient.
Freundschaften zwischen Fangruppen können in der Gesamtheit nicht funktionieren, weil diese sich ja oft selbst innerhalb eines Vereins nicht alle grün sind und keine Fanszene (schon gar nicht die beim FC St.Pauli und Union Berlin) als homogen bezeichnet werden kann.
Es gibt auch bei St.Pauli Leute, mit denen ich keinen Bock habe auf Auswärtsfahrt zu gehen. Und bei Union gibt es eben neben solchen Leuten auch noch politischen Ausschuß, den man dort nicht wirklich los wird. Darauf geringschätzig herabzublicken ist eine dieser selbstherrlichen Eigenschaften, wegen derer eben auch St.Paulianer zurecht kritisiert werden, als im Elfenbeinturm sitzend. Denn natürlich ist es leicht, bei St.Pauli “gegen Nazis” zu sein und sich “grade zu machen”. Bei anderen Vereinen ist dies in der Regel schwieriger und darüber zu urteilen maße ich mir nicht an.
Der Verein allerdings macht vieles richtig und genug Gruppen bei Union auch. Ich persönlich habe bisher auch in der berüchtigten “Abseitsfalle” noch keine Probleme bekommen, trotz St.Pauli-Schal. Anderen ist aber genau dies passiert.
Das Leben ist nicht schwarz/weiß, es gibt viele Zufälle, viele Situationen die man vielleicht nur durch Glück übersteht oder gar nicht erst mitbekommt.
Trotzdem: Meine Erlebnisse mit Union sind bisher ausnahmslos positiv. Vielleicht muss ich dann doch erst mal eins auf die Fresse bekommen, bevor ich meine Meinung dazu ändere. (Nein, es werden keine Bewerbungen angenommen.)
Fanfreundschaften funktionieren nicht, Kontakte wird es meist auf persönlicher Ebene geben. Und die funktionieren eben zu einigen Vereinen bei mehr Leuten, bei anderen weniger.

Nachtrag, 15.30h: Der Fanladen hat sich in einem Offenen Brief bei der Berliner Polizei für die Art der Zusammenarbeit “bedankt”.

Am Stadion angekommen dann die für uns komfortable Einlasssituation der Sitzplätze, auch hier ist über den Stehplatzbereich anderes zu hören gewesen, dies nun auch schon wiederholt, sehr schade.
Die Gäste-Sitzplätze hingegen wurden zu dieser Saison aus der Kurve auf die Haupttribüne verlegt. Da man bisher in der Kurve mindestens ein Drittel des Spielfeldes wegen der Plexiglasscheibe zum Heimbereich nicht sehen konnte, eine deutliche Verbesserung. Für die, die erst spät im Stehplatzbereich erscheinen, bleibt die Sicht dort natürlich gleich schlecht.
Und noch einen alten Bekannten getroffen: Peter nebst Gattin, von den Braun-Weißen Tulpen aus Holland. Auch hier war die Wiedersehensfreude groß.

Ein weiterer Vorteil der neuen Plätze: Während wir beim letzten Spiel von der Heimkulisse so gut wie nichts mitbekamen, weil der Gästeblock so laut war, ist es auf der Haupttribüne ausgeglichener und man bekommt beide Seiten gut mit.
Der Nachteil: Stimmung auf den Sitzplätzen gab es fast gar keine, lediglich nach den Toren wurde der ein oder andere Gesang übernommen.
Gleiches galt allerdings auch für den Heimbereich, die Haupttribüne ist an der AF stimmungstechnisch totes Land und wird auch nicht per Wechselgesang oder ähnlichem eingebunden.

Genug der Vorrede, Anstoss!
Und ein Spiel, wie es für unsere Auswärtsauftritte dieses Jahr sehr typisch ist. Hinten gut stehen, Nadelstiche nach vorne, irgendwann geht einer rein.
Gut war, dass wir noch zwei Tore nachlegen konnten, da machte das eine Gegentor in der Nachspielzeit dann auch nicht mehr viel aus…

Ach, Moment. Da waren ja noch diese komischen drei Minuten am Ende der ersten Halbzeit.
Tja, Robin Himmelmann wird jetzt wohl erst recht alles dransetzen den Aufstieg zu realisieren und nächstes Jahr dann gucken, ob es an der Stadt liegt und es auch im Olympiastadion ein doofes Gegentor gibt, oder es eben doch nur an der AF liegt. Oder sogar explizit nur an jenem Tor, in der anderen Hälfte des Feldes zeigte er gewohnte Klasse. Passiert, abhaken.
Und gleiches gilt natürlich auch für Fafa Picault beim zweiten Tor, mit dem kleinen Unterschied das sein Ballverlust ebenfalls “passiert”, er sich dann aber sicher von Ewald einiges dafür anhören durfte, danach einfach reklamierend stehengeblieben zu sein.

Okay, nach den beiden Gegentreffern war es dann mit der “Nicht heulen!”-Ansage erstmals vorbei, wo Junior doch Gegentreffer eins noch tapfer mit Fassung ertragen hatte.
Der Ball war aus, ganz klar!” Nee, eben nicht, leider.
Wir hatten das Spiel bis dahin komplett unter Kontrolle, durch die zwei Murmeln lagen wir plötzlich hinten. Da kann man als Siebenjähriger schon mal die Fassung verlieren.

Und in Hälfte zwei ging es dann weiter, als wären diese drei Minuten gar nicht gewesen. Maier – Pfosten.
Dann der verdiente Ausgleich durch Hornschuh.
Freistoß Maier – Pfosten.
(Und nebenbei: Beide Pfostenschüsse wieder auf das Himmelmannsche Tor…)
Und beim Treffer von Dudziak gab uns das Tor dann doch etwas zurück, denn auch Daniel Haas dürfte sich beim Anschauen der Wiederholung noch ein paarmal gefragt haben, was genau er da eigentlich vor hatte.

Tja, und dann kam jene Nachspielzeit, von der es jetzt schon zig Darstellungen gibt. Ich bin mir relativ sicher, dass im Stadion drei Minuten durchgesagt wurden. Im Fernsehen wurden wohl zwei gesagt/gezeigt.
Wie dem auch sei, Schluß ist, wenn der Schiri abpfeift… und als er dies tat brachen dann auch bei Junior alle Dämme. “ABSEITS!” soll es da gewesen sein, was man aus dem Block in der anderen Kurve natürlich auf unseren Plätzen ganz genau erkennen konnte. Die roten Plastiksitze mussten einge Tritte aushalten, es ging aber nichts kaputt, ich schwör.
Tja, inzwischen konnte ich den Schiedsrichter dank der Bilder des Vereins-TVs von der Todesliste nehmen, aber in diesen Minuten nach Schlußpfiff hätte er Junior besser nicht begegnen sollen.

Stimmung

Solider Auftritt des Gästeblocks mit durchgehenden Gesängen. Im Textilvergehen wurde behauptet, wir hätten nur zwei Lieder (“Das Schnelle und das Langsame“), was natürlich eine bodenlose Frechheit ist und sicherlich mit dem ersten Auswärtssieg von Effenberg bestraft wird, so.
Im Heimbereich wie geschrieben das Stimmungsloch Haupttribüne, dafür (subjektiv) mehr Alarm als bei den letzten beiden Spielen auf Waldseite und Gegengerade. Und dieses “Wonderful Days“-Lied war dann auch spätestens nach dem Intro beim Textilvergehen als Ohrwurm bei mir angekommen, schönen Dank.
Um Euch dran teilhaben zu lassen, hier auch der Text:
“Hey FC Union – stürme hinaus,
in Berlins Südosten bist du zuhaus,
zwischen Wiesen und Wäldern, Tälern und Seen,
Oh Köpenick, Du bist wunderschön.”

Ach, und dann gab es ja noch die “Scheiß St.Pauli!“-Rufe.
Siehe oben, Abschnitt zu Fanfreundschaften. Passt schon, aus dem Alter mich darüber zu ärgern bin ich nun wirklich hinaus. Junior dichtete aber daraufhin später die Hymne auf “Immer wieder – kein Eisern Union!” um und konnte dann auch schon wieder lächeln. Muss das Leben schön sein in dem Alter.
Solange man sich vor und nach dem Spiel gut unterhalten und in die Augen schauen kann, finde ich sowas nicht schlimm.
Wenn dies (siehe oben) im Einzelfall natürlich auch nicht mehr möglich ist, ist dies dann deutlich schlimmer als solche Rufe.

Mit einem Berliner Kollegen und Unioner schauten wir dann in Bahnhofsnähe noch die zweite Halbzeit von hsv – Leverkusen auf sky in der Einzeloption, da die Jungs die schon länger da saßen sich das so ausgesucht hatten, hsv-Fans.
“Ach, Pauli hat Unentscheiden gespielt? Ich hätte es denen aber gegönnt zu gewinnen!”
Solche Leute sind ja die schlimmsten.
Darüber hinaus: 45 Minuten verschenkte Lebenszeit die einem niemand zurückgibt, was für ein fürchterlicher Kick.

Immerhin sahen wir da dann auch noch den Beweis dafür, dass es alles schon vorher fest stand. Zumindest der Berliner Kurier hatte alles schon in seiner Samstagsausgabe geahnt, inkl. dem für schlechte Boulevardzeitungen verpflichtend fehlenden “St.”:

Berliner Kurier, 17.10.2015

Berliner Kurier, 17.10.2015

Juniors Auswärtsbilanz bisher:
4 Spiele – 1 Sieg (RBL), 2 Unentschieden (Braunschweig & Union), 1 Niederlage (Union letzte Saison). Könnte schlechter sein, diese Saison immerhin noch ungeschlagen. Und in Bochum sind wir auch!

Und: Vor etwa einem Jahr gab es (siehe Tabellen unten) am 10.Spieltag ein ähnliches Erlebnis. Nach überlegen geführtem Spiel fingen wir uns in Nürnberg in der 87.Minute den späten Ausgleich und verpassten den dringend nötigen Auswärtssieg. Die Tabellensituation war allerdings eine gänzlich andere… // Frodo

Links:
Textilvergehen Podcast
– MillernTon VdS (Vor dem Spiel, Yannick im Gespräch mit Gero)
– Bilder Union-Foto-Hupe.de
– Bilder Groundhopping etc (FB)
– Bilder Vereinshomepage
– Bericht Textilvergehen: “Dafür tun wir uns die Scheiße das ganze Jahr über an!
– Bericht Fangirl1910: “Nicht verliebt in Berlin
– Bericht Grenzenlos Sankt Pauli: “Da war mehr drin
– Bericht South End Scum: “Matchday 11” (English)

Vergleich zum Vorjahr (Spieltag)

SpGegner 14/1514/15Gegner 15/1615/16Vergleich
1Ingolstadt (H)1:1Bielefeld (H)0:08. / 1 / +-0P
2Aalen (A)0:2KSC (A)2:16. / 4 / +3P
3Sandhausen (H)2:1Fürth (A)3:23. / 7 / +3P
4Fürth (A)0:3Leipzig (A)1:02. / 10 / +6P
51860 (H)1:2Frankfurt (A)0:14. / 10 / +6P
6Aue (A)0:3Duisburg (H)2:03. / 13 / +9P
7Braunschweig (H)1:0Braunschweig (A)0:03. / 14 / +7P
8Frankfurt (A)3:3Heidenheim (H)1:03. / 17 / +9P
9Union (H)3:0SC Paderborn (A)0:03. / 18 / +7P
10Düsseldorf (A)0:1Sandhausen (H)1:33. / 18 / +7P
11KSC (H)0:4Union (A)3:35. / 19 / +8P
12Nürnberg (A)2:2SC Freiburg (H)1:03. / 22 / +10P

Vergleich zum Vorjahr (Gegner)

SpGegner 14/1515/16Vergleich
1Arminia Bielefeld (H)0:00:0BÄMM!
2KSC (A)0:32:13 Pkt besser
3Fürth (H)0:13:26 Pkt besser
4Leipzig (A)1:41:09 Pkt besser
5Frankfurt (A)3:30:18 Pkt besser
6Duisburg (H)3:12:08 Pkt besser
7Braunschweig (A)2:00:06 Pkt besser
8Heidenheim (H)0:31:09 Pkt besser
9Paderborn (A)0:10:010 Pkt besser
10Sandhausen (H)2:11:37 Pkt besser
11Union (A)0:13:38 Pkt besser
12SC Freiburg (H)1:11:010 Pkt besser
Arminia Bielefeld & MSV Duisburg stehen für Erzgebirge Aue und den VfR Aalen.
SC Freiburg und SC Paderborn stehen für FC Ingolstadt und Darmstadt 98.
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2 Kommentare zu 11.Spieltag (A) – 1.FC Union Berlin

  1. Andreas Kudelko sagt:

    Moin Frodo,
    wieder einmal ein wunderschöner Beitrag und mir aus der Seele gesprochen.
    War leider krankheitsbedingt verhindert.
    Ich hoffe, dass meine Eintrittskarte Jemanden “glücklich” gemacht hat, sofern dass
    auf Grund des Spielverlaufs denn möglich war.
    Meine Erinnerungen an Union und Unioner sind weitgehend ungetrübt. Was “Fanfreundsschaften” angeht gebe ich dir Recht.
    Ansonsten auf den hoffentlich nächsten Heimsieg.
    Forza St. Pauli “ein Spinner” der Kuddel

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