Nach drölfhundertzehn Tagen Pause ist der KSC zu Gast!

Ich weiß, man soll Texte im Allgemeinen und Briefe im Besonderen nicht mit „Ich“ beginnen – aber nun ist es schon passiert. Eigentlich wollte ich hier auch mit „Ich mag Dialekte“ beginnen, aber auch das fängt ja mit „Ich“ an. Aber ich mag Dialekte wirklich. Zumindest einige. Zum Beispiel Berlinerisch, das finde ich fast schon „sexy“, zumindest aber rotzfrech und herrlich schnodderig. Auch Kölsch geht gut ins Ohr – mit dem gleichnamigen „Getränk“ dagegen würde ich nicht einmal bei 35 °C im Schatten meine Lippen befeuchten.
Wenn die Hessen „babbeln“, versteht man zwar nix, bekommt aber Unterhaltungswert. Schallt sich dagegen Sächsisch in Richtung unserer lärmempfindlichen Organe, verstopft man diese am besten sofort und ruft dem Verursacher nachdrücklich ein energisches „Mach, dass de fortgommst!“ entgegen. Und dann gibt es da die Mundarten, bei denen akute Gefahr auf Ohrenplaque droht! Ganz oben auf der Liste steht zweifelsohne Schwäbisch, welches sogar im Verdocht stehet, dass du nach kurzer Zeit scho a irrebbarabele Khörschada hosch… Herrschaftsgöttle.
Zumindest etwas verwandt mit der gerade erwähnten (M)Un(d)art ist das, was unsere Gäste des kommenden Sonntags nutzen, um sich verbal untereinander zu verständigen (und für die meisten anderen, die beim Begriff „Gelbfüßler“ an Schweißmauken nach einer Schwarzwaldwanderung denken, von einem anderen Planeten klingt). Und bevor irgendjemand auf die Idee kommt, mich wegen regionalkommunikativer Körperverletzung anzuzeigen, bleibt es heute mal halbwegs beim Hochdeutsch…
Die Fakten: Die etwas um die 310.000 Einwohner*innen der Badischen Metropole leben in 115 Metern Höhe über dem Elbspiegel auf 173 Quadratkilometern verteilt. Im rot-gelben Karlsruher Stadtwappen steht „Fidelitas“, also Treue. Die ortsansässigen Fußballer belegen im aktuellen Tableau (auch nach der langen Pause) mit fünf Punkten den 14. Rang. Ebenso wie die Kiezkicker konnte der KSC erst einen Dreier in dieser Saison verbuchen, wobei die Jungs von Trainer Maximilian Senft allerdings bereits dreimal als Verlierer vom Platz gingen.
Kein Karl, aber ein Zeugnis: Es gibt Moritz und Paul, Viktor und Tim, sowie Rafael und Hans-Christian im Kader des Karlsruher SC… aber keinen Karl. Hat man ihn – wie einst den Käfer – einfach fortgejagt? Nein. Maximilian Senft übernahm zwar im Sommer die Regie auf dem Trainerstuhl, doch sein Vorgänger verließ den KSC nach fast sieben Jahren auf eigenen Wunsch und Herr Eichner heißt übrigens auch nicht Karl, sondern Christian. Einen ersten Überblick über das nach sechs Spieltagen Erreichte bietet das vorläufige ÜS-amtliche Vierteljahr-Zeugnis für den KSC:
Keeper – befriedigend. Zwar schon zwölf Gegentore, doch die Vorderleute sind meist schuld.
Abwehr – mangelhaft. Gerade durch die Zentrale trifft der Gegner oft.
Rechte Seite – häufig gut, wenn Marvin Wanitzek sie aus der Mitte heraus bedient.
Linke Seite – manchmal gut, wenn Marvin Wanitzek sie aus der Mitte heraus bedient.
Sturm – mangelhaft. Shio Fukuda (zwei Tore), Louey Farhat (ein Assist). Ohne Worte.
Rückwärtsbewegung – ungenügend. Hat der KSC den eigenen 16er wieder erreicht, ist der Gegner schon im Fünfmeterraum.
Umschaltspiel – siehe: Rückwärtsbewegung, nur umgekehrt. Schnell ist was anderes.
Halbfeld(flanken) – ungenügend. Man trägt die Kugel lieber in die Box.
Effektivität – mangelhaft. Bislang sechs Saisontreffer, Marvin Wanitzek mit sechs Scorerpunkten
Stark begonnen, stark nachgelassen: Nach Platz zehn in der Vorsaison sollte mit dem Trainerwechsel alles besser werden. Doch schon vor dem Ligastart holperte es gewaltig im Badener Land: nicht eines der fünf Testspiele wurde gewonnen. (Anm.: Mit einem Eintrag vom 18. Juli endet auf der offiziellen Homepage des Vereins dann auch die „aktuelle“ Berichterstattung). Die Vorbereitung also komplett vergeigt und im Eimer; und dennoch hielt man am Trainer fest. Ein Fehler?
Nein. Ein Heimsieg, ein Auswärtspunkt und das Erreichen der zweiten Pokalrunde zum Auftakt ließ die Kritik verstummen, bevor sie laut wurde. Drei Heimpleiten am Stück (gegen Wolfsburg 2:5, Cottbus 0:3 und zuletzt 0:1 Nürnberg) lassen zwischen Elsass und Südpfalz jedoch leise die Alarmglocken klingeln. Doch mit Badener Coolness blickt man auf die Partie am Millerntor, denn zwei ihrer fünf Zähler holte die Senft-Elf auf fremden Terrain.
Laufaufgaben, Höhentraining und Gelb-Rot-Verbannung: Vom nächsten Punkt oder gar dem erstem Auswärtsdreier dürfen die KSC’ler höchstens träumen. Denn unsere Kiezkicker konnten den Spirit aus dem Cottbus-Remis in die dreiwöchige Pause (siehe „Kloppo-Lotto 11 aus 44“) mitnehmen und bestens nutzten, sodass alle bereits seit Tagen mit den Hufen scharren. Chef-Dompteur Rappo und das Konditionsteam hatten individuelle „Laufaufgaben“ für Zuhause mitgegeben. Falls ihr dieser Tage also mit dem Auto unterwegs seid und euch plötzlich ein FCSP-Trikot mit der Nummer 26 zu Fuß überholt – keine Panik, das ist nur Ricky-Jade im Turbolader-Modus. Und falls auf der Reeperbahn mal wieder Stau herrscht, liegt es an Keeper Ben, der alle 45 Minuten zwischen den Kurven, also zwischen Nobis- und Millerntor wechselt. Das ehemalige Restaurant im Fernsehturm hat keine Fenster mehr? Kein Wunder – Martjin Kaars im Höhentraining. Während Connor Metcalf in der Heimat den Brasilianern einen Kommentar zur gestrigen Präsidentenwahl dort ins Eck versenkt, sammelt im Schanzenpark Sam Klein beim Didgerdoo blasen die Energie für die kommenden Aufgaben. Nur Tomoya Andō hat neben Rücken noch Stubenarrest.
… Und die Redaktion der offiziellen FCSP-Homepage macht ein Praktikum beim Übersteiger, um die eigene Inspiration in sich zu entdecken, spüren und zu nutzen…
Letzte Meldung & der Tipp: Auch im Trainer- und Betreuerstab des KSC wurde kein Karl gefunden. Dafür aber ein „alter“ Bekannter: Mit dem mittlerweile 37-jährigen Teufelskerl Himmelmann haben die Badenser einen ehemaligen Kiezkeeper als Backup-Torwart in ihren Reihen. Der heißt aber auch nicht Karl, sondern Robin. Verdammt! Hoffen wir, dass wenigstens der 3:1-Tipp stimmt.
// Hossa
