Auswärts Vorbericht

Zu Gast bei Erich

Von: Carsten

Am kommenden Samstag gastiert der Tabellenführer (Anstoß 13:30 Uhr) im beschaulichen Heidenheim in Bayern, oder doch in Baden? Oder beides? Geschichtlich wechselte die Zugehörigkeit in aller Regelmäßigkeit, liegt aber aktuell in Baden-Württemberg. Fragt sich, wie lange noch, denn wer nicht schnell genug ist, den holt der Söder. (Grüße an Armin Laschet) Ca. 50.000 Einwohner tummeln sich in der Kreisstadt an der Brenz. Übrigens nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen fränkischen Markt in Bayern. Obacht also bei der Wahl der Autobahn.

Auf dem Weg nach Heidenheim kann man sich ja durchaus nochmal die Spiele durch den Kopf gehen lassen, in denen uns ein gewisser Marc Schnatterer alleine den Schneid abkaufte. Solltet ihr aber auf Autogramme des ewigen Marcs aus sein, so könnte die Enttäuschung groß sein, denn Herr Heidenheim persönlich quittierte im Sommer seinen Dienst und schnürt jetzt am Waldhof seine Schuhe. (Wenn ich mich jetzt nicht beim Finger abzählen geirrt haben sollte: nach 19 Jahren in Heidenheim). Ich haue euch noch ein wenig Statistik um die Ohren, da es so unglaublich ist: 457 Spiele, 121 Tore, 128 Vorlagen und wahnsinnige 34.734 Minuten Spielzeit für Heidenheim. In 14 Spielen gegen unseren magischen FC erzielte er alleine 5 Treffer und 6 Assists. Schönen Gruß nach Mannheim, ganz gut, dass er nicht aufläuft gegen uns. 🙂

Übrigens: ich bin ja strikt gegen personalisierte Torerfolgsmusik. Aber wenn Marc Schnatterer eine hätte, dann doch bitte diesen Refrain von Volker Rosin: (Ohrwurmgefahr)

Wer Heidenheim zumindest auf den ersten Blick mit „fast“ Namensvetter Hoffenheim verwechselt, tut erstgenanntem Unrecht. So versucht man beim FC keine überbewerteten Betriebssysteme des Finanzgönners zu promoten, sondern Heidenheim steht auf vielen Sponsorensäulen. Man ließ es sich aber trotzdem nicht nehmen, den Stadionnamen entsprechend abzutreten. Knapp 15.000 Zuschauer passen in das „Albstadion“. Und Alb trifft es ganz gut, das Stadion auf dem Schlossberg liegt auf 555 Meter über Normalnull und ist damit das höchst gelegenste Stadion im deutschen Profifußball. Wer mal in Kaiserslautern hoch ist, kann sich zumindest einen ähnlichen Anstieg vorstellen. Mittlerweile ist der FCH Eigentümer des Stadions, nachdem eine kleinere Millionensumme an die Stadt floss.

In der vergangenen Saison konnten wir die bis dato schlechte Bilanz gegen Heidenheim ein wenig aufhübschen. Mit Heim- und furiosem (3:4) Auswärtssieg behielten die Boys in Brown beide Male die Oberhand. Spoiler: In unserem kommenden Heft wird es einen Bericht zu Wetten im Fußball geben, solltet ihr also auf die Idee kommen, einer unserer Spieler würde doppelt treffen, es hat noch NIE ein Spieler unserer Mannschaft gegen den FCH in einem Spiel doppelt geknipst. Die aktuelle Bilanz bei den Spielen liegt übrigens bei 7N, 2U und 5S gegen unsere Elf. Heidenheim läuft diese Saison mal wieder auf Hochtouren und wird aller Voraussicht nach auch wieder ein starkes Wort beim Aufstieg mitsprechen. Bis auf den „alten“ neuen Tim Kleindienst, hielt man die Mannschaft im Großen und Ganzen zusammen und stellt erneut eine eingespielte Truppe. Trainer Frank Schmidt, der Volker Finke des FCH, kann in einem recht ruhigen Umfeld seit sehr langer Zeit erfolgreiche Arbeit leisten, was letzte Saison in soliden 51 Punkten resultierte. Auch diese Saison zeigt der Trend eher gen Tabellenspitze, auch wenn vor der Länderspielpause recht klar gegen den SV Werder Bremen verloren wurde.

Erfolgreichster Verein in Heidenheim sind sicherlich die Baseballer, die auf fünf deutsche Meisterschaften blicken. Bei der Wahl des Vereinsnamens … Ach, beurteilt selbst: Die „Heidenheimer Heideköpfe“! Ehrfürchtig tippe ich diesen Namen.

Kommen wir zum historischen Teil des Vorberichts. Wenn man sich die „Kinder der Stadt“ anschaut, landet man zwangsläufig bei NS Kommandeur Erich Rommel. Des Weiteren hatte Heidenheim ein Außenlager des KZ Dachau. Das zu den harten Fakten und zur nicht zu korrigierenden Geschichte. Was mich allerdings in heutiger Zeit (ehrlicherweise fehlen mir gerade die richtigen Worte) fassungslos macht: Es gibt seit geraumer Zeit ein Erich-Rommel-Denkmal, welches von den afrikanischen Kriegsveteranen in Auftrag gegeben und aufgestellt wurde. In den folgenden Jahrzehnten wurde oft und kontrovers über dieses Denkmal diskutiert, ein Abbau des Denkmals scheiterte aber mehrmals im Gemeinderat. Heute steht eine Schattenskulptur vor dem Denkmal, welche die Silhouette eines Minenopfers auf das Denkmal von NS Rommel wirft. Dieser hatte große Teile Libyens und Ägyptens im Kampf gegen die Briten mit Minen verseucht, die teilweise bis heute nicht geborgen werden konnten und auch weit nach Kriegsende enorme zivile Opfer forderten.

Warum man in Heidenheim – mit dieser Historie – immer noch ein Denkmal für Erich Rommel hat, erschließt sich mir einfach nicht. Zwar gibt es in Heidenheim mittlerweile zwei Gedenktafeln und vom Künstler Gunter Demnig geschaffene Stolpersteine, welche in vielen europäischen Städten das größte dezentrale Mahnmal der Welt ergeben. Aber warum man im Jahr 2021 Teilen des Krieges und der Vernichtung eine Bühne geben muss?

Gut, Potsdam antwortet an dieser Stelle: „Hold my beer, wir haben Göbbels als Ehrenbürger der Stadt“.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Voran Sankt Pauli!

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