Die Kogge ist in Arsch…

… und was sonst so auch nicht mehr passieren wird.

„Erst Mittwoch? Blogger schreiben zeitnah, Aller!“ – so etwas bekommt man heutzutage von Redaktionskollegen vor versammelter 4.Mannschaft auf der JHV umme Ohren gehauen. Nicht ein Wort des Dankes, dass man sich hilfsbereit erklärt hat die Schreibarbeit des ansonsten dafür Zuständigen zu übernehmen. Pah! Dabei war das so genannte „brisante“ „Hochsicherheits“ „Hass-Derby“ doch eigentlich schon nach 8 Spielminuten entschieden und auch sonst passierte rund um den letzten Samstag nix wirklich Welterschütterndes, was eine zeitnahe ÜS-Reflexion an der heimischen Tastatur evtl. sogar begründen hätte können. So jedenfalls mein Eindruck nach der Rückkehr in Hamburg. Außerdem wollen wir auch niemals vergessen, dass Faulheit bei mir genetisch bedingt ist. An dieser Stelle mal ein Dank an meine M und meinen P! Also noch mal das ganze…

Als der Kapitän von Bord ging  

Selten zuvor hab ich so Siegessicher eine Auswärtstour mit diesem Club angetreten wie diese Reise. Dass eine zahlenmäßig unterlegene, Punkte-technisch ausgehungerte und sich seit Wochen in spielerischer Seenot befindliche Kogge-Besatzung das braun-weiß-rote Schlachtschiff nicht vom maximalen Beute-Kruse Kurs abhalten konnte und in diesem Match über kurz oder lang eh den Kürzeren ziehen würde, war mir spätestens in dem Moment schlagartig klar, als Weilandts Ellenbogen absichtlich in Morenas Gesicht landete. Was für eine Spiel-entscheidende Arschloch-Aktion! Beim polemischen Fordern von Höchststrafen für wie auch immer geartete Rechts- oder Nasenbrüche halte ich mich aus Prinzip zurück, aber für diese Unsportlichkeit sind 3 Spiele Sperre eindeutig zu lasch, werte Herren der DFB-Sportgerichtsbarkeit. Der Verlauf der restlichen 82+x Spielminuten bestätigte dann meine Vorahnung, auch wenn ich mir diese ein kleinwenig spektakulärer ausgemalt hatte. Denn rein sportlich gesehen war es ein stinklangweiliges, sehr grottiges Zweitligaduell, bei dem nur selten Ansätze von Spannung, Spiel und Schokoladen-Fußball zu beobachten waren. St.Pauli spulte holprig-souverän die Trainervorgaben runter und war in den entscheidenden Situationen einfach cleverer. Auf der Gegenseite schindete einzig und allein Hansa-Mittelfeldspieler Michael Blum mit seinem dynamischen Vorstoß in der 50.Minute etwas Eindruck, was alle Abwehrspieler aber anscheinend so sehr verdutzte, dass Marek Mintal den Ball tatsächlich zum zwischenzeitlichen Ausgleich im Netz unterbringen konnte. Der Rest war hart verteidigte Rostocker Tristesse. Erfreuen wir uns also auch einfach mal an diesen nackten Zahlen: Hansa 1 Sankt Pauli 3

Who the fuck is Derbydoublesieger? Hä? Hä?? 

Irgendwo habe ich am vergangenen Sonntagabend dann einen Weblink überflogen, worin die Polizei über ihr Presseportal oder so verlauten lies, dass ihr Sicherheitskonzept rund um den 2.Derbysieg des Jahres gut aufgegangen sei. Den genauen Wortlaut hab ich jetzt nicht nochmal ausfindig machen können, da mein Netzteil in Arsch ist und der PC hier ständig abschmiert. (Anmerk. d. Verfassers: Übrigens der wahre Grund für den verspäteten Blog!) Der Kern dieser Aussage ist in punkto Arroganz jedenfalls zum wiederholten Male kaum zu toppen. Bei mir sorgte das für den zweitlautesten Lacher des vergangenen Wochenendes. Wobei, den „Elf des Tages“-Kracher mit unserem neuen Topjoker Mahir Saglik haben die Komiker vom Kicker ja eigentlich erst am Montag rausgehauen. Wie sich das für eine Statistik aber halt so gehört, zählen am Ende nur seine beiden Siegtreffer in der 80. und 91.Minute und nicht die komplette Stolperei zwischen seiner Einwechslung in Minute 67 und dem erlösenden Abpfiff. Ups, so ein verheerendes Urteil ausgerechnet nach diesem tragischen Spieltag, an dem einer der unbeliebtesten DFB-Schiedsrichter versucht hat sich das Leben zu nehmen. Ich höre die Spacken schon pfeifen, oha…

Muss das denn sein?

Mal ganz ehrlich, was ist das eigentlich jedesmal für eine heuchlerische Scheiße? Dieses tagelange, scheinheilige Rummoralisieren der üblichen Betroffenen ist doch schlichtweg lächerlich, weil sich am Umgang mit Problemen dieser Art eh nichts Grundlegendes ändern wird. Robert Enke war der traurige Höhepunkt. Fakt ist doch, dass die vom Rostocker Publikum weitestgehend lautstark begrüßten, mehrfachen Pyro-Einschläge in unseren vollbesetzten Gästeblock noch heute die Titelschlagzeilen der hiesigen Presse bestimmen würden, aber „Köln-Spiel abgesagt – Schiedsrichter wollte sich umbringen“ verkauft sich halt noch ein kleinwenig besser. Vor allem an eben jene Moralapostel. Die Hoffnung hab ich längst ad acta gelegt, dass deren Senf in Bezug auf solche Ereignisse einfach mal in der Tube bleibt, anstatt ihn im verbalen Einheitsbrei wieder und wieder aufzukochen. Und das nur um sämtliche Vorsätze knapp 2 Wochen später eh in die Tonne zu hauen, unter ständigem Rühren in der Gerüchteküche versteht sich. Man sollte erst einmal anfangen auf derart heftige Nachrichten weitest gehen gelassen zu reagieren, anstatt unaufgeklärt ein gute Wort zu ergreifen. Schnelle Genesung wünschen wir!

Ich schweife wie üblich ab. Also endlich zurück zum eigentlich anvisierten Kernpunkt, der intern abgefeierten Bullentaktik. Ein weiterer Fakt des letzten Wochenendes ist, dass auch 1800 oder noch mehr Beamte niemals das verhindern können, was sie selbst mit immer umfassenderen Repressionsmaßnahmen fördern – nämlich verhältnismäßig großen Widerstand in Form von spontanen Protest- und Gegenaktionen. Jemand sollte den vorletzten Absatz im Vorwort der basch#7 Wort für Wort in den grauen Stadionbeton meißeln. Der bringt den momentanen Wahnsinn treffend auf den Punkt, lest bei Gelegenheit mal selbst. Respekt in Richtung des Verfassers! Und überhaupt Ultra Sankt Pauli! Nachdem auch ein zuletzt zeitweise vom WorldWideWeb abgeschnittener Langschläfer wie unsereins im allerletzten Moment noch Wind von der spontan geplanten Wochenendtickettour quer durch den Nordosten bekam, um die polizeilich angeordnete, völlig überzogene Filzsorgie am Altonaer Bahnhof zu umfahren, war ich sofort Feuer und Flamme dafür. Ich mag solche Aktionen. Alleine schon aus dem Grund, weil man dann amüsiert beobachten kann, wie sich die desorientierte Staatsmacht abkaspert, um eine relaxt-chaotische Situationslage wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Etwas verspätet ging es deshalb auf die 2 Stunden und 20 Minuten lange Regionalbahnfahrt vom Hamburger Hbf in Richtung Trostlos. Bester Dialog dort mit einem der nicht grad Platzsparend ausgestatteten Uniformträgern: „Wenn ich sie hier noch einmal mit einer Zigarette erwische, bekommen sie ein Ticket von mir!“ Punker: „Das trifft sich gut, ich hab nämlich noch keins.“ Farbige Schriftzeichen an herunter gekommenen Bahnhofsgebäuden deuteten bereits kurz hinter Hamburg an, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die erste größere Hansa-Rotte bekamen wir dann in Schwerin vor die Linse. Vorwiegend Keiler, aber auch ein paar wenig hübsch gestikulierende Bachen und halbstarke Frischlinge. Einige der ausgewachsenen männlichen Wildschweine waren u.a. gut am mit Thor Steinar gebrandmarkten Winterfell und dem radikahl geschorenen Deckhaar zu erkennen. Leider stehen die in dieser Gegend nicht wirklich seltenen Tiere zu dieser Zeit des Jahres unter besonderem Staatsschutz und durften deshalb nicht mit Backenfutter versorgt werden. Wir beließen es also bei der Kurzstudie ihres selten dämlichen Sozialverhaltens…

Bis zum Stadion ging die Memmen-Strategie der Rostocker Polizei auf. Der Bammel vor möglichen Angriffen auf den durch sie begleiteten Fußmarsch wurde bereits im Vorfeld zugegeben, so dass alle Gästefans am hermetisch abgeriegelten Bahnhofsvorplatz in Shuttlebusse umsteigen mussten, welche über leergefegte Straßen bis vor die Eingangstore der Arena fuhren. Gegen Über den Blocksturm dort kann ich kaum etwas sagen. Hat auf alle Fälle ganz gut geklappt und verletzt wurde auch niemand. So what? Richtig Glück hatten wir dann sicherlich beim Jubelszenario in Folge des Führungstreffers durch Max Kruse in Minute 40, worauf das Spiel halt für 10 Minuten unterbrochen wurde. Nach einem Freudenfeuer im unteren Teil unseres Blocks wurden aus den Heimbereichen links und rechts über die Fangnetzaufhängung unterm Dach zielgenau mehrere Leuchtkugeln und Knallkörper in den Gästebereich geschossen und jeder Einschlag von der breiten Masse der Hansa-Anhänger lauthals mit Applaus bedacht. Das ganze wiederholte sich nochmal nach dem Schlusspfiff beim Feiern mit der Mannschaft. Möchte jemand so etwas ernsthaft in irgendeiner Art und Weise mit dem bisschen Pyroaction auf unserer Seite gleichsetzen? Doch nicht wirklich oder?

Laut ausführlicher Fanladen-Stellungnahme wurde im Laufe des ganzen Theaters glücklicherweise nur ein St.Pauli-Fan verletzt. Die fundierte Gesamtkritik am Verhalten der zuständigen Polizeibehörden und des FC Hansa Rostock enthält auch all den Kleinscheiß, auf den ich jetzt gar nicht mehr explizit eingehen will. Nur nochmal soviel: wie bescheuert muss man sein, um zu glauben eine Fanszene wie die unsrige, mit derart billigen, homophoben „Provokationen“ aus der Reserve locken zu können? Ehrlich gesagt entwickele ich diesbezüglich in regelmäßigen Abständen mehr Brass auf den Papst und sein seniles Umfeld. Was ist das für eine bemitleidenswerte Fan-Gemeinschaft dort an der Küste? Ihr Honks seid echt im Arsch.

Zumindest unser Rückweg verlief dann ähnlich reibungslos wie die Anfahrt. Vorher kurz noch den bereits erwähnten und während des Spiels mit einem eintägigen Stadionverbot belegten Punker aus dem Umfeld der G.A.S. eingesammelt, welches er sich weit vor dem Anstoß bereits im Bahnhof wegen des Mitführens einer flotten Biene  eingefangen hatte. Lächerlich. Ein wenig Shuttlebus-Glas ging aber trotzdem noch kaputt, wobei noch ein weiterer Fan verletzt wurde. Alles in allem blieb der ganz große Zoff aber aus, was sich die Bullen natürlich auf ihre Fahne schreiben möchten. Dieses Lob gebührt allerdings einzig und allein allen anwesenden St.Paulianer_innen! Derart gelassen und so kreativ auf durchgehend brennende Fanshop-Utensilien, Bananenwürfe, abgezogene Fanclub-Banner, die vermummt präsentiert und dann zerstört wurden, oder ähnliche Anfeindungen zu reagieren, traue ich in dem Maß nur einer Fanszene hier zulande zu. Und das macht einen sogar noch glückseliger als nach großen Siegen eh schon. Wir sind Hooooomos Sankt Pauli! Wir sind… // Stemmen

Links:
Stellungnahme Fanladen
Bericht Gegengeraden-Gerd (Top-Artikel! “Brief von Tante Kriemhild”)
Lichterkarussel (“Wir sind schwule Antifa Module”)
Bericht Magischer FC
Bericht KleinerTod (“Worte eines Daheimgebliebenen”)
Bericht Hinchas
Bericht Nord-Support
Bericht BreitSeite
Bericht “Hanseator” (Natürlich gibt es auch viele vernünftige Leute bei Hansa, hier schreibt einer von denen)
Fotos Stefan Groenveld

 

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11 Antworten auf Die Kogge ist in Arsch…

  1. Pingback: Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Post von Tante Kriemhild

  2. Jessy L. sagt:

    der schlechteste Blog, den ich über das Spiel gelesen habe :-/

    und es heißt außerdem “im Arsch” und nicht “in Arsch”, wo ich gerade am bewerten deines Beitrages bin. 😉

  3. hasenkoppe sagt:

    der beste blog,den ich bisher über das spiel gelesen habe ,homos st.pauli,very lol.

  4. jürgen sagt:

    Hansas offizielle Umdeutung der Vorfälle zeigt einmal mehr das der Fisch vom Kopf stinkt. Hier die Frechheit.

  5. egal² sagt:

    Das “Freudenfeuer” hat mir so gar nicht gefallen. Weder im Spiel noch hier. Sozusagen Euphemismen fürn in Arsch, genauso wie Pyrotechnik aller Art.

  6. Matze sagt:

    Der Gegner schreibt und ich les das mal. Ich stimme (leider) in einigen Punkten zu, nur sollte man versuchen den Tag etwas differenzierter zu betrachten. Gerade in Hinblick auf 2009. Es kommt halt immer darauf an, in welchem farblichen Gewand sich Aktionen schmücken, oder…?

    trotzdem Gruß

  7. Jekylla sagt:

    Noch besser finde ich ja diesen Artikel
    http://www.uebersteiger.de/ausgaben/105/text_4.html hier, obwohl ich inhaltlich an der einen oder anderen Stelle anderer Ansicht bin -wie bekannt 😉

    Aber die Schreibe ist großartig, vor allem die Choreo-Verbesserungsvorschläge – wunderbar. 🙂

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