Auswärts in Rostock – Comeback des Antifaschistischen Schutzwalls

In die Hansestadt gespäht hat für euch Carsten

Es folgen Polemik und Vorurteile:

Ja, Rostock spielt eine gute Rückrunde, mit 15 Punkten und einem besseren Torverhältnis als wir stehen sie in der Tabelle der Rückrunde sogar vor uns. Interessiert und das? Nein! Egal wo und wann und wie die Kogge spielt, für uns zählt nur der Sieg. Sind wir ehrlich, Rostock wird wohl nicht absteigen, dafür sind Ingolstadt und Aue zu schlecht. Verlieren können in dem Spiel nur wir. Stellt euch die Häme vor, die auf uns einprasseln würde ausgerechnet von Rostock einen Dämpfer im Rennen um den Aufstieg bekommen zu haben. 

Darum: Kogge versenken! Eine Aufforderung, die im Hinrundenspiel zumindest einwandfrei geklappt hat. Foto (c) Antje Frohmüller.

Rostock ist ein unangenehmer Gegner, ein Blick auf die Statistik bestätigt das Gefühl: Über 200 gewonnene Zweikämpfe mehr als der FCSP. (2968 und damit nach Schalke und Regensburg Platz 3 in dieser Statistik) Auch die Lufthoheit geht an das Team von der Ostsee. Mit gewonnenen Kopfbällen lässt man uns ziemlich im Schatten stehen. 791 (Platz 2) zu 561 (Platz 15). Gut, dass wir grundsätzlich zu viele Gegentore bekommen ist eh allen bewusst, aber man muss in den meisten Fällen auch nur in den Zweikampf oder ins Luftduell wenn man nicht das Spiel macht. Sprich: wenn wir in einer Tour die Bälle in den Strafraum der Kogge bringen, dann darf Rostock gerne mehr Kopfbälle gewinnen solange jede dritte Flanke im Netz zappelt. Rostock bekommt übrigens die meisten Karten gezeigt auf dem Feld, irgendwo muss man ja auch mal die Liga anführen, wenn man schon sonst nicht so viel kann. 

Die Statistik der zweiten Bundesliga erscheint recht ausgeglichen. 6 Siege für den FCH und 8 für Sankt Pauli. Auf Punkteteilung einigte man sich in Liga 2 nie. Die Statistik über alle Ligen hinweg spricht zwar für den FCH, aber unsere letzte Niederlage in der Zweiten Bundesliga datiert aus der Saison 2008 wo man 3:0 verlor. Danach folgten 6 Siege am Stück, wo Rostock grundsätzlich gar nichts zu melden hatte. Liebe Mannschaft: ich erwarte das nochmals!

Wenn ihr den Weg zum Auswärtssieg nach Rostock antretet. Passt auf euch auf. So wahnsinnig stimmungsvoll Siege unter Flutlicht auch sind, warum die DFL ein so brisantes Spiel in die nächtliche Zeit legt, bleibt zumindest mir unklar. Hat es je ein Auswärtsspiel in Rostock ohne “Zwischenfälle” gegeben? Die Erinnerung jedes einzelnen Auswärtsspiels seit den frühen 90er Jahren bleibt unangenehm, um es mal euphemistisch auszudrücken.

Seit ein paar Jahren ist das Ostseestadion wieder das richtige Ostseestadion. Der Namenssponsor wurde frühzeitig aus seinem Vertrag entlassen, die Fanszene und das Umfeld haben nun ihren traditionsreichen Namen wieder zurück. Interessanter Nebeneffekt, auch die Bahnhaltestelle wurde auf Initiative der Fans wieder in „Ostseestadion“ umbenannt. Unter dem alten Namensgeber war diese in „Stadion“ umgewandelt worden.

Kommen wir zum „Rund um Rostock“.

Motto der Fanszene ist allen Ernstes „AFDfch“.

Und nein, das Motto ist natüüüürlich nicht angelehnt an gleichlautende Partei, natürlich heißt dies nur „Alles für den FC Hansa“ (hüstel) und soll schon lange vor der Gründung der Partei so geheißen haben und man ändert ja nicht einfach den Schlachtruf wegen so einer dahergelaufenen Partei, vor allem, wenn sie doch für viele Fans so gut passt.

Alle „guten deutschen Bürger“ aus Rostock bitte festhalten: Der Ursprung des Namens Rostock stammt aus dem slawischen und bedeutet soviel wie „auseinanderfließen eines Flusses“.

Haus- und Hofbarde des Vereins ist der medial zum „König des Raps“ erkorene „Materia“. Dieser lässt, ob selbst oder medial in die Luft posaunt, bei jeder Gelegenheit verlauten, dass er vor der Gesangskarriere auch hätte Fußballer werden können. Gut, selbst unser heutiger Trainer (bekannt für seine technischen Kabinettstückchen) schaffte versehentlich den Sprung in den Profifußball. Seis drum, wollen wir nicht darüber diskutieren. Was mir ein wenig fehlt, die eindeutige Haltung seinerseits gegen den teilweise recht großen Anteil von Idioten im eigenen Stadion. Wir hatten bei seiner Plattenfirma ein Interview angefragt, wurden von Sony Music aber kurz und knapp abgewiegelt: „Keine Interviews momentan“. Schade, gerne hätten wir ein wenig über den Tellerrand der Hansestadt geschaut. Dafür wissen wir ja nun seit ein paar Tagen, dass der liebe Materia keine Zeit hatte weil er mit seinem Kollegen Campino ein Lied aufnehmen musste. „Scheiß Wessis“ bzw. „scheiß Ossis“. Geschmack ist ja bekanntlich streitbar, aber ich finde beide Tracks einfach schlecht.

Kommen wir zu den positiven Dingen in und aus Rostock. Denn neben dem FCH gibt es auch Vereine die wirklich eine Daseinsberechtigung haben. Der Internationale FC Rostock ist beispielsweise ein antifaschistischer und weltoffener Verein der sich, neben dem Fußball, auch um politische Themen, um Kinder und Menschen aller Nationen kümmert. Die erste Herren Mannschaft lief eine Zeit lang in den Trikots “Geflüchtete willkommen” auf.

Auch der Rostocker FC stellt sich in aller Form seit Jahren gegen Nazis und für Weltoffenheit und unterhält gute Kontakte in die richtige politische Richtung. Neben der Band „Dritte Wahl“ waren es auch die Jungs von „Feine Sahne Fischfilet“ die den Verein mit Trikots und Support unterstützen. Gerne mehr davon!

War es eigentlich Zufall, dass unser Verein ein Sondertrikot mit durgestrichenem Rassismus Slogan verkaufte, genau in der Woche vor dem Rostock Spiel? Zumindest könnte man ein wenig darüber nachdenken, auch wenn die Flut der Trikots in dieser Saison ein Übermaß darstellt. Es ist das Achte Trikot in dieser Saison, welches man bei uns käuflich erwerben konnte. In Worten: ACHT!

Not established …

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7 Kommentare

  1. “Motto der Fanszene ist allen Ernstes „AFDhro“.” Das stimmt leider nicht. Es ist “afdfch” – alles für den fc hansa.

    Liebste Grüße!
    Voran Sankt Pauli!

  2. Nur gut das es „Alles für den F.C. Hansa“ Banner schon Anfang der 2000er Jahre in Deutschen Stadien gab. Kann man relativ leicht im I-net Bilder zu finden…

    Hansafanszene eben immer der Zukunft 15 Jahre vorraus

    1. Und? Steht doch oben, dass es schon vor Gründung der Partei so geheißen haben soll. Macht es aber ehrlich gesagt nicht besser, dass es nach Gründung der Partei noch unverändert so heißt. Du hast aber natürlich recht, die Hansaszene (bzw. Teile davon) ist in der Hinsicht dann eben schon der Zukunft 15 Jahre voraus gewesen, Faschos gab es da schon lange vor der afd. Finde das aber auch nicht gerade sooo positiv um es hervorzuheben?

  3. Ich finde es albern zu verlangen eine ca. 20 Jahre alte Fahnen zu ändern, nur weil es eine Kleinstpartei gibt die gleiche Kürzel nutzt.. Aber jeder schwingt die Moralkeule eben anders. Ginge es nicht um Hansa Rostock wäre das sicher keine Erwähnung wert.

    1. Die afd hat in der Wahl 2021 in MeckPomm 18,5% bekommen. Keine Ahnung, wie man das als “Kleinstpartei” schönreden kann. Und nein, es ist nicht albern. Und doch, auch wenn es nicht um den FCH ginge, wäre es eine Erwähnung wert. Es ging aber beim letzten Heimspiel nun mal zufälligerweise um den FCH. Schöne Woche noch!

  4. Guten Abend und schöne Grüße an sie Elbe.
    Die Diskussion um Motto und Fahne ist ziemlich bizarr. Vielleicht kann ich ein bisschen helfen. Tatsache ist, das Motto lautet: “Alles für den FCH!”, in voller Länge, gern auch mal mit dem kompletten Vereinsnamen. Es gab und gibt nichts zu ändern. Weder in der Umgangssprache, noch auf der Fahne, die es tatsächlich schon seit den frühen 2000ern (also lange vor dem Auftauchen dieser beschissenen Partei) gibt, wird die genannte Abkürzung verwendet. Diese ist Ergebnis der Verkürzung von Inhalten in Social Media auf Hashtags (i.d.R. 6 Zeichen).
    Ich persönlich bin mit diesem Kürzel nicht glücklich, weshalb ich auf die Verwendung auch grundsätzlich verzichte, weil das eben doch missverstanden werden kann (und will).
    Nochmals Grüße, bleibt gesund.

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