Läuten wir die Energie-Wende ein

Oder: Cottbus den Stecker zieh’n!

Fotos / Bastelarbeiten: Hossa

Am vergangenen Sonntag ergab sich die Gelegenheit, die nächsten beiden Gegner unserer 1:0-Helden vom Vortag im direkten Duell zu beobachten. Der Karlsruher SC empfing den FC Energie Cottbus. Der Aufsteiger ging kurz vor der Pause in Führung und war am Ende mit 3:0 auswärts erneut erfolgreich. Eine Woche zuvor holte das Wollitz-Team in Wolfsburg nach einem 0:3-Rückstand mit dem 4:4 in der Nachspielzeit überraschenderweise noch einen Zähler. Davon haben die Lausitzer nach dem Sieg beim KSC derer inzwischen sieben und stehen mit 13:12 (!) Toren auf dem 7. Tabellenplatz.

Zum Saisonstart gab es für die Aufsteiger aus der Lausitz gleich mal einen 3:1-Sieg über Hannover, dem allerdings dann drei Pleiten am Stück folgten: 0:3 in Bielefeld, 0:2 im Pokal gegen Augsburg sowie die 3:4-Heimniederlage gegen Fürth.
Ist der FC Energie Cottbus nach diesen Ergebnissen ein ernstzunehmender Aufsteiger oder eher sicherer Abstiegskandidat?

Um dies herauszufinden, geht es am kommenden Sonntag ostwärts.
Anpfiff im „LEAG Energie Stadion“ (bis 2023 Stadion der Freundschaft) ist um 13:30 Uhr.

Der Verein: Nach 12 Jahren zurück
Der FC Energie wurde 1963 zunächst als SC Cottbus gegründet, bevor 1966 die Umbenennung in „Betriebssportgemeinschaft“ folgte. Aus dieser 1990 wieder aufgelösten BSG ging dann der FC Energie Cottbus in seiner jetzigen Form (und aktuell mit etwas mehr als 7.000 Mitgliedern) hervor.
Überhaupt scheint die Stadt mit ihren 95.140 Einwohner*innen sehr sportlich aufgestellt: Fast jede*r fünfte Cottbuser*in ist in einem der gut 140 Sportvereine organisiert. Der Verein, um den es hier nun geht, spielte einige wenige Spielzeiten sogar mal in der 1. Bundesliga. Nach zwölf langen Jahren in der Dritt- und Viertklassigkeit gelang im Sommer 2026 dann der heißersehnte Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Vorlage: akirEVrath

Der Trainer: Immer wieder Cottbus
Im Sommer 2021 wurde Claus-Dieter „Pele“ Wollitz bereits zum dritten Mal Va …, nee, Trainer des FCE. (Anm.: Er ist Vater dreier Töchter). Endeten die ersten beiden Engagements jeweils nach knapp drei Spielzeiten, ist der mittlerweile 61-Jährige nun schon fünf Jahre durchgehend CC, also Cottbus-Coach.
Der FC Energie scheint seine große Liebe zu sein, auch wenn er niemals für den Verein kickte. Seine Buffer schnürte er zwischen 1987 und 2001 für Schalke und Leverkusen, vier Jahre beim VfL Osnabrück, danach je eine Saison bei Hertha, Wolfsburg und Kaiserslautern, bevor es über Uerdingen zum EffZeh nach Kölle ging, wo er seine Bundesliga-Karriere als Spieler beendete. In 379 Erst- und Zweitligapartien erzielte er als offensiver Mittelfeldspieler 83 Tore, dazu sieben Treffer im DFB-Pokal. Bekannt war er für seinen kantigen Spiel- und Führungsstil und ebenso dafür, dass ihm oftmals alle Sicherungen durchbrannten.

"C'mon Sankt Pauli - Give us a goal!"
Millerntor Februar 2013: C’mon Sankt Pauli – Give us a goal! // Foto: ÜS-Archiv

Das Team: Erfahrung meets Jungspunde
Fünf der bisherigen dreizehn Saisontore erzielten Stürmer, sechs Mal ließ es das Mittelfeld scheppern. Allen voran Tolcay Ciğerci mit vier Buden. Im fast jugendlichen FCE-Kader (die meisten Spieler sind in diesem Jahrtausend geboren), befinden sich mit dem im Sommer von Rostock gekommene Christian Kinsombi, dem EX-Nürnberger (13 Jahre beim Club) Jonas Hofmann, Leonardo Bittencourt (2019–2026 Werder Bremen) sowie Topscorer Ciğerci zumindest vier erfahrene Kicker. Die Saison wird als Aufsteiger sicherlich nicht einfach, zumal wenn am Sonntag der FC St. Pauli vorbeikommt. Statt Blut wollen die Kiez-Zecken diesmal Energie saugen – und nach 90 Minuten den FCE-Stecker ziehen.

Unsere Jungs: Bereit zum nächsten Stromschlag
Seit dem Hochspannungskick gegen Wolfsburg stehen unsere Jungs seit vergangenen Samstagabend bestimmt immer noch unter Strom! War aber auch einfach nur elektrisierend und leider geil! Und natürlich tritt Coach Rappo gerade dann rechtzeitig auf die berühmt-berüchtigte Euphoriebremse (ist wohl beim letzten Rennen übrig geblieben): Man dürfe eben jetzt nicht durchdrehen und abheben. Aber feiern darf man noch, oder!?
Nun ja – jetzt, da „der Bann endlich gebrochen und der Knoten endgültig geplatzt“ ist – sind die Köpfe hoffentlich frei und die Jungs spielen völlig befreit auf. Vielleicht ist ja mal mehr drin als nur ein oder zwei Tore.

Vorlage: distelAPPArath

Am Sonntag: Energie-Räuber on Tour
Unter Starkstrom stehend warten wir darauf, dass unsere Jungs im Bundesland Kabel-Brand-enburg was reißen. Und wenn die Energiker zu viel Widerstand leisten, dann machen wir WATT, denn ihr VOLT doch alle nach OHM. Wir holen den Elektroschocker raus und verursachen einen Kurzschluss… Da hilft dann auch kein einzelner Strommast mehr.
Sofern es keinen Wackelkontakt gibt, lautet der hoffentlich alle elektrisierende Tipp 0:3.
// Hossa

Klau’n, klau’n, Starkstrom wull’n wi klau’n
Ruckzuck över’n Elektro-Zaun
Ein jeder aber kann dat nich’,
denn er mutt ut St. Pauli sien!

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