Reden wir über Ingol… ÜBER UNS!

Ein Rant von Carsten

Wir müssen dringend reden. Darüber, dass wir gefühlt fünf Tore in jedem Spiel kassieren, taktisch völlig aufgeschmissen sind, wenn der eigene Plan nicht aufgeht und darüber, dass wir uns überheblich darstellen. Wo sind unsere Tugenden? Kampf, Leidenschaft? Dass wir nach Ecken oder anderen Standards ähnlich gefährlich sind, wie Sesamstraßen-Samson nach Inhalation einer Tüte Valium? Ok, geschenkt, das war traditionell noch nie unser Ding, aber warum zur Hölle bekommen wir es nicht gebacken, wenigstens das Tor zu verteidigen? Als Mannschaft geschlossen nach hinten zu arbeiten?

Aus Gründen eine kleine Bild-Text-Schere. Foto 105978125 © Zniehf | Dreamstime.com

Es liegt nicht am Keeper, jedenfalls nicht ursächlich, lag es übrigens noch nie. Es lag auch nicht damals an Robin Himmelmann als man ihn unsportlich vor die Tür manövrierte. Lieber schwelgt man in Eigenlob ob der ach der tollen Offensive. Und? Hurra Fußball ohne Absicherung nervt!

Sieht toll aus, wenn man in Regensburg 2:3 gewinnt, aber das klappt halt nicht gegen Hannover, Darmstadt und Co. Eine Nachricht eines Bekannten heute: „ihr könnt froh sein bereits 41 Punkte zu haben!“ Alle unsere Spieler im Mittelfeld sind offensiv eingestellt. Keiner scheint es ansatzweise als sein Business anzusehen zu verteidigen. Und jetzt? Ingolstadt. Und auch da bekommen wir mindestens zwei Tore, weil sich immer noch alle in die eigene Tasche flunkern.

Man muss es sich nochmals auf der Zunge zergehen lassen: Hannover schießt in 23 Spielen lediglich 21 Tore. Das sind im Schnitt: 0,91 Tore pro Spiel. Gegen uns alleine aber schon vier. Zieht man diese zwei Spiele und vier Tore ab, dann trifft 96 sogar nur 0,81 mal pro Partie.

Egal, es muss ja weiter gehen: Ich war mal auswärts in Ingolstadt, beim Fußball und beim Eishockey. In Erinnerung geblieben ist mir aus dieser Stadt nichts. Ich will den Verlust meiner Erinnerung aber nicht ausschließlich auf den Konsum diverser Kaltgetränke auf der doch sehr langen Anreise schieben, vielleicht gibt es hier halt auch einfach und wahrhaftig nicht viel zu erleben.

Grund genug sich hier voll auf den kommenden Gegner zu konzentrieren und eine im Winter ordentlich umgekrempelte „Schanzer“ Mannschaft nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Fragt doch mal Maxi Beister oder Marc Stendera, wie diese die Winterpause empfanden, nachdem beide in die Regionalliga zurückversetzt wurden. Neu zum Team stießen Danja Stojanovic, der nach der Leihe von uns zurück zu Middlesbrough ging und dort abermals über die Rolle des Reservisten nicht hinauskam. Nun versucht er also den FCI mit seinem Können vor dem Abstieg zu bewahren. Mit ihm Gegentore verhindern soll auch Visar Musliu, der nordmazedonische Innenverteidiger kam von MOL Fehérvár. Und so konnte man zappzarrap und klingeling In der Rückrunde direkt mit einem 5:0 Heimsieg über Nürnberg aufhorchen lassen. Darauf folgte ein Unentschieden gegen Sandhausen und ein sicherlich überraschendes 1:1 beim SV Werder Bremen. Die Ingolstädter haben nach dem Trainerwechsel und durch die Rotation im Team auffallend Aufwind bekommen.

Der Blick in die zurückliegende Statistikhistorie spricht im großen und ganzen für uns: In der 2. Bundesliga trafen beide Mannschaften 15 mal aufeinander, acht mal siegten die Boys in Brown, dreimal verloren sie und vier mal trennte man sich mit einem Remis. Aber: Mit nur fünf Gegentoren in fünf Spielen im Jahr 2022 sowie zuletzt dreimal ungeschlagen, zeigt die Ingolstädter Tendenz nach oben, die Abwehr ist stabilisiert.

Bester Torjäger ist aktuell Filip Bilbija mit fünf Toren (und auslaufendem Vertrag). Mit 21 Jahren sicherlich noch mit Entwicklungspotenzial und wahrscheinlich nächste Saison nicht mehr beim FCI.

In eigentlich allen Statistiken liegen unsere Jungs vor den Schanzern, ich habe aber doch eine gefunden, in der wir Nachholbedarf haben: intensive Läufe. (Ich persönlich finde ja jeden Lauf intensiv, aber das ist eine andere Geschichte. Dabei fällt mir ein: Schon beim Lauf gegen Rechts angemeldet?).

Der FC Ingolstadt fusionierte 2004 aus dem MTV und ESV Ingolstadt und ist das kleine Hoffenheim des Südostens. Und so trug man die geschätzten 20 Millionen Euro Baukosten für das neue Stadion natürlich selbst. (Mit freundlicher Unterstützung des ansässigen Automobilherstellers). Zu dem knapp 16.000 Zuschauer fassenden Stadion kamen noch zwei Trainingsplätze und so erhielt dieser Komplex den Beinamen „Park“. Namensgeber, wie könnte es anders sein, ist natürlich der allgegenwärtige Hauptsponsor. Die Ambitionen des Vereins kann man ganz gut daran erkennen, dass der Neubau auch für internationale Spiele ausgelegt wurde. Jetzt werdet ihr sicherlich auch auf mögliche Länderspiele hinweisen, die meisten Zuschauer waren allerdings bei einem Freundschaftsspiel der Türkei gegen die Ukraine. Und selbst hier war das Stadion nicht ausverkauft. Der FCI ist aktuell weit entfernt jemals international zu spielen, aber träumen darf man dort ja auch.

Ingolstadt birgt eine Einwohnerzahl von ca. 138.000 Menschen. Wohl bekannteste Persönlichkeit der Stadt ist Horst „Hotti“ Seehofer, ehemaliger Innenminister, Landesvater Bayerns und Buddy von Marcus Söder. Da freut sich Miteinheimischer Markus Kavka, in einer Stadt mit dem Horst. Ganz bestimmt. Es kann fast nichts Schöneres geben. „Hust“. Unbekannt ist, ob keiner, einer oder gar beide Anhänger der Illuminaten waren oder sind, denn dieser Geheimbund findet hier 1776 seine Anfänge.

Der Begriff „Schanzer“ spielt auf die Befestigung der Stadt im Jahre 1537 an. Für 400 Jahre wurde Ingolstadt damals zur Landesfestung ausgebaut, man nannte sie auch die „hunderttürmige Stadt“. Ein paar wenige Reste der Stadtmauer und Wachturm kann man heute noch bewundern, ich musste dies auch nachlesen. Vielleicht war ich dann doch ein wenig biermüde nach solch langen Fahrten.

Aufgrund der aktuellen politischen Situation Betreff Ukraine und Russland, könnte man sich fragen, ob Ingolstadt vielleicht auch noch eine Art Sanktion ausspricht. Eine Städtepartnerschaft besteht nämlich zu Moskau (und mit keiner ukrainischen Stadt), und auch wenn das wenig Gewicht haben dürfte, man könnte doch da trotzdem irgendwas Symbolisches machen.

Die Vereinshymne ist der melodisch aber rauchig angehauchte Gassenhauer: „Schanzer Herz, wo über den Kampf für die Ehre…“ und andere Phrasen gesungen wird. „11 Freunde müsst ihr sein, für immer treu, wir kämpfen bis wir siegen, deine Fans sind die Besten…“ Ach du Drama. Und das allerschlimmste: Meine Frau sagt gerade: „Och, das klingt doch gar nicht so schlecht“ während ich die Hymne über die Boxen der Küche laufen ließ.
Marcus Kavka: HILFE!

So: jeder Rowdy fährt ein Audi. Aber wer hat gewusst, dass „Audi“ lateinisch Imperativ Singular von „audire“ (hören) ist? (ich, die Korrekturleserin z.B., endlich ist mein kleines Latinum mal für was gut verdammte Axt!)
Audi bedeutet also „Höre“ oder „Horch“, wie die PKW Marke, die mit drei anderen zu Audi fusionierte.

Wer immer beim Namen Ingolstadt an Super Ingo aus der nervigen Tankstellenwerbung dachte, der lag gar nicht so falsch. Es beutet: Stätte des Ingolds.
Ingo wer? Ingolds, ein etwas älterer deutscher Name, die Herkunft erspare ich an dieser Stelle.

Falls ihr euch also auf dem Heimweg vom hypothetischen Auswärtssieg in Ingolstadt – ist ja nicht ganz ausgeschlossen, vielleicht liegen uns in 2022 Städte an der Donau – die handwarme Astraplörre durch Kopf und Kehle gehen lasst, euch tief entspannt in dem Beifahrersitz legt oder wahlweise aus dem Fenster des Zugabteils blickend die Seele baumeln lasst, seid froh, dass uns Ingolstadt neben möglichen Punkten, 1516 das Reinheitsgebot des Bieres bescherte. (Auch wenn das bei Astra nicht viel geholfen hat).

Danke!

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