Wer wird deutscher Meister? Ha ha Hannover 96

Sneak Peak und Funfacts zum Auswärtsspiel von Carsten und Rakete

Es ist medial etwas ruhiger um Martin Kind geworden. Hielt der „charmante“ Freund der Springer Presse und des Sport 1 Doppelpasses, noch bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit sein Tackergrinsen in die Kamera, so sucht man aktuell in der Medienlandschaft ein wenig länger nach seinen skurrilen Theorien. Mag vielleicht auch ein wenig daran liegen, dass Hannover die letzten Jahre ein einziges Missmanagement war und der Pfeil eher gen Liga 3 statt Richtung Wiederaufstieg zeigt.
Ob es mich stört? Um die doch wirklich große Anzahl der normalen, aktiven Fans: sicherlich, auf der anderen Seite gibt es in Hannover aber (leider) auch eine sichtbare Schar von Idioten, auf die ich gut und gerne verzichten kann.

Ganz gut erkennen kann man den sportlichen Verfall der “Roten”, wenn man sich die Anzahl der letzten Trainer anschaut. “11 Trainer sollt ihr sein” in knapp 11 Jahren. Das sind ja fast Schalker Verhältnisse. Seit diesem Sommer versucht Jan Zimmermann sein Glück dabei, den finanziell angeschlagenen Traditionsklub wieder auf Trab zu bringen. Zimmermann schaffte letzte Saison mit dem TSV Havelse den Aufstieg in die Dritte Liga und unterschrieb bei Hannover für zwei Jahre.
Seine größte Aufgabe ist sicherlich mit aktuell mageren Mitteln dem immensen Druck standzuhalten und irgendwie Ruhe ins Umfeld zu bekommen. Im Sommer zahlte man diesbezüglich auch nur 2 mal Ablöse (an Osnabrück für Sebastian Kerk und an Ulsan Hyndai für Lukas Hinterseer) und sammelte seine restlichen Neuverpflichtungen ablösefrei ein (z.B.: Jannik Dehm aus Kiel oder Sebastian Ernst aus Fürth und unseren ehemaligen Spieler Tom Trybull von Norwich City lieh man genauso aus, wie den talentierten Maximilian Beier aus Hoffenheim).
Dafür wurden einige Topverdiener aus dem Kader gestrichen: Genki Haragushi (Union), Timo Hübers (Köln), Simon Falette (Hatayspor) und unter anderem auch Josip Elea (Split) gingen ablösefrei. Marvin „ich spiele nicht mehr für Sankt Pauli, komme was wolle“ Duksch wechselte vor dem 5. Spieltag für einen Sack voll Geld an die Weser.

Marvin „ich spiele nicht mehr für Sankt Pauli, komme was wolle“ Duksch, damals in der Saison 2016/17 bei St.Pauli

Der Start in die Saison verlief erwartungsgemäß eher holprig. Im Duell der ehemaligen Schaaf-Truppen trennte man sich an der Weser 1:1. Das erste Heimspiel vergeigte man 0:3 gegen Aufsteiger Rostock um dann auswärts gegen Aufsteiger Dresden 2:0 erneut zu verlieren. Was auffällt: Hannover trifft nicht. Auch gegen Heidenheim gewann man nur durch ein spätes Jokertor von Hendrik Weydandt 1:0. Im letzten Auswärtsspiel zeigte Hannover ein desolates Auftreten und bekam in Darmstadt gleich 4 Tore bei der zu null Niederlage eingeschenkt. 4 Punkte nach 5 Spielen und lediglich 2 Tore zu 10 Gegentoren sprechen eine klare Sprache. Es hapert vorne und hinten. Hannover wirkt völlig planlos und durch die vielen Wechsel auch verunsichert. Clever also, den intern besten Knipser zu veräußern. Und so platziert man sich vor der „spannenden“ Länderspielpause völlig zurecht auf einem direkten Abstiegsplatz. Man darf gespannt sein ob Jan Zimmermann die kommende Heimpleite als Cheftrainer übersteht. Funfact: er steht aktuell besser dar, als sein ehemaliger Verein.

Teammanager seit 2016 ist übrigens unser ehemalige Kapitän Fabio Morena. Und irgendwie die einzige Konstante in Hannover. (Neben Ron Robert Zieler, den Hannover seit geraumer Zeit ziemlich ruppig versucht von der Gehaltsliste zu bekommen).

In mittlerweile 32 Zweitliga-Partien gegen den Magischen FC haben „die Roten“ ein leichtes, statistisches, Übergewicht. 15 Niederlagen setze es für uns, bei 10 Siegen (darunter solche Wahnsinnsspiele wie am 06.06.1993 mit Siegtorschütze Leo Manzi, welcher uns vor dem Abstieg bewahrte) und 7 Unentschieden. Unser erfolgreichster Torschütze mit lediglich 3 Treffern ist, und das gibt mir ein wenig zu denken, „Schlangen“-Franz Gerber. Das dies so bleibt, wird er sich sicherlich irgendwo vertraglich zugesichert haben, für die Ewigkeit.

Was allerdings Mut macht, jenseits der Tatsache das wir IMMER angeschlagene Gegner aufbauen: das letzte Auswärtsspiel im Januar 2021 konnten wir mit 2:3 für uns entscheiden. Mit dem Tordebüt von Guido Burgstaller übrigens. Das entscheidende dritte Tor schoss unser bislang jüngster Zweitligatorschütze Igor Matanovic in der zweiten Minute der Nachspielzeit, was irgendwer aus Frankfurt neulich im Review gesehen haben muss, um ihm kurzfristig einen Vertrag anzudrehen. Jedenfalls war es damals der Start in eine unglaublich großartige Rückrunde und einer rekordverdächtigen Torserie von Guido “Burgi” Burgstaller.

Wer noch nie auswärts in Hannover (welches nicht völlig zu Unrecht den Spitznamen ‘hässlichste Stadt Deutschlands’ hat) war, der erlebt ein ziemlich großes und weitläufiges Stadion welches im Zuge der WM 2006 (Nein, es war KEIN Sommermärchen) nochmals grundlegend umgebaut wurde und z.B. auch die Laufbahn des alten Niedersachsen Stadions entfernt bekam. Aktuell bietet das Stadion, mit dem Namensgeber einer lokalen Versicherungsgesellschaft, 49.200 Zuschauern einen Blick auf den Rasen. Der Auswärtsblock befindet sich (leider) schon fast traditionell in der Ecke des Spielfelds. Und wer weiß was für ein Maskottchen der “kleine HSV” eigentlich hat? Keiner? Es ist seit 2013 “Eddi”, der Hundewelpe. Warum auch immer. Zuvor gab es übrigens schon Hund “Etzel” im Jahr 1954, Pony “Vicki” 1973 oder “Hanno”, der Wolf, ab 1997. Warum auch immer.

Hannover, und das ist kein Witz – war ehemaliges Königreich und von 1714 bis 1837 bestand die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, wonach die Könige Hannovers auch gleichzeitig die Könige Großbritanniens waren, was nur noch getoppt wird von den glorreichen Jahren 1983-84, als Hannover Austragungsort der Chaostage war. Jedenfalls beherbergt das ehemalige Königreich heute ca. 530.000 Einwohner und hat neben solch ‘illustren’ Prominenten wie Prinz August von Hannover, Edelfan Oliver Pocher und Lena Meyer-Landruth sowie unser Ex-Kanzler und Putin-Freund, Gerhard Schröder, der kein Foto ohne 96-Schal ausließ, auch tatsächlich interessante Persönlichkeiten wie z.B. den Mathematiker Ferdinand von Lindemann hervorgebracht, dem 1882 der Beweis gelang, dass die Quadratur des Kreises unmöglich ist. Außerdem entwickelte Kurt Schwitters in Hannover seine Form des Dadaismus und Joseph Berliner gründete in Hannover die erste Grammophon-Fabrik der Welt. Plus: Regisseurin Doris Dörrie, der vor einem Jahr verstorbene Cartoonist Uli Stein und die aktuelle Kanzlerkandidatin ACAB.
Auf der Negativseite brachte der Serienmörder Fritz Haarmann in der Welfenstadt 27 Menschen um.
So viel geballte Kompetenz in einem Absatz, das muss man erstmal toppen.

Hässliche Stadt mit einem recht hübschen Bahnhof: Hannover. Foto: Arigrafie

Als Eminem vor ein paar Jahren das einzige Konzert in Deutschland gab, muss sein Management etwas missverstanden haben, Landeshauptstadt bedeutet eben nicht zwingend Hauptstadt des Landes zu sein, und so spielte er anstelle von Berlin auf dem Expo-Gelände in Hannover: „Hello Berlin, nice to be back“. Gut, fußballerisch sind zumindest die Hertha und 96 fast auf einem Level aktuell.

Und was geht in Hannover außer Fußball sportlich?
Martin Kind muss bzgl. „Investoren die eine Mannschaft kaufen und dann fallen lassen“ gar nicht so weit gucken. 2010 wurde der Plastikverein der Hannover Scorpions deutscher Meister im Eishockey, um bereits 2013 wegen mangelnder Liquidität die Lizenz entzogen zu kriegen. Das Eishockey konnte sich als Event neben den Indians vom Pferdeturm nie etablieren. Schaut man auf den Zuschauerschwund bei 96, könnte man ähnliches vermuten: Hannover will offensichtlich Kontinuität und keine Investoren und kurzfristigen Erfolg.
Auch haben die Fußballer seit einiger Zeit Konkurrenz bzgl. der Gunst der Zuschauer bekommen. So stellt der TSV Hannover-Burgdorf seit einiger Zeit einen Bundesligisten im Handball, dessen Heimspiele in der Eishockeyverweisten Arena auf dem Expo Gelände ausgetragen werden.

Kurz um: mir gruselt es vor dem kommenden Spieltag. Nicht. Mit unserer aktuellen Wucht im Offensivspiel besitzen wir alle Trümpfe um Hannover in Grund und Boden zu spielen. Auswärts siegen ist schön!

P.S.: Warum eine Mannschaft mit den Vereinsfarben Schwarz-Weiß-Grün “die Roten” genannt wird, bzw. zwischendurch rote Trikots trägt, haben wir bis Redaktionsschluss nicht herausgefunden und freuen uns über Aufklärung!

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