Preisübersicht: Dauerkarten 1.&2. Fußball-Bundesliga 2012/2013

Einer der meistgeklickten Artikel der vergangenen zwölf Monate ist der Preisvergleich der Dauerkartenpreise in den ersten zwei Ligen zur letzten Saison.

Da lag es nahe, sich den Spaß des Daten-Sammelns wieder zu geben und das Gleiche für die kommende Saison zu bauen, zumal dann auf Dauer auch eine Vergleichbarkeit entsteht.

Der Aufbau ist ein ähnlicher wie im vergangenen Jahr, es gibt zwei Tabellen für die beiden Fußball-Bundesligen, aufgeführt werden drei Preis-Kategorien und sortiert sind sie nach der Summe eben dieser Kategorien, allesamt für Vollzahler.

Die erste Kategorie ist die Dauerkarte für ein Stehplatzticket. Sollte es im Stadion mehrere Stehplatzbereiche mit unterschiedlichen Preisen geben, so habe ich mich für den Bereich entschieden, wo der Fanblock angesiedelt ist.
Als zweite Kategorie dient “der günstigste Sitzplatz”. Dies ist natürlich schon etwas schwerer zu vergleichen, denn natürlich liegt dieser von der Sicht her in großen Stadien (Dortmund, München, Schalke etc.) ungleich schlechter als beispielsweise in Freiburg oder Aalen.
Die dritte Kategorie ist der “teuerste Sitzplatz auf der Gegentribüne, ohne VIP”. Die Benennung hab ich im Vergleich zum Vorjahr von “bester” auf “teuerster” Platz geändert, weil die beste Sicht natürlich subjektiv ist.

Das Bilden einer Summe aus diesen Kategorien ist natürlich sehr theoretisch, denn wohl niemand wird je auf die Idee kommen, sich genau eine Karte aus eben diesen drei Preisklassen zu erwerben, daher sind in den einzelnen Kategorien jeweils die drei teuersten (rot) und günstigsten (grün) zusätzlich farblich hervorgehoben.

Getreu dem Motto, dass man keiner Statistik trauen sollte, die man nicht selbst gefälscht habe, kann man diese Kategorien natürlich  gut finden oder auch nicht, wer eine Idee zur objektiveren Bewertung hat, lasse mich dies gerne unter blog (ät) uebersteiger (punkt) de wissen.

Hier ist also das gute Stück: 2012_Dauerkartenpreise (pdf)

Preise 1.Bundesliga

Die durchschnittliche Stehplatzdauerkarte liegt bei 171,-€ und ist damit gut 3,-€ teurer geworden als letzte Saison, während die billigste Sitzplatzdauerkarte im Schnitt (300,-€) sogar nen guten Euro günstiger wurde. Deutlicher angehoben wurde die teurere Sitzplatzkategorie, nämlich von 595,-€ im Schnitt auf 618,-€, wobei von diesen 23,-€ Veränderung alleine 13,-€ auf den BVB entfallen, bei dem ich letzte Saison (wohl fälschlicherweise) noch die Kategorie 1 (619,-€) zählen ließ, diese Saison aber die teurere Kategorie 15 (845,-€) in die Bewertung einfließen lasse. Auf Nachfrage wurde mir bestätigt, dass es sich hierbei um eine Kategorie ohne Catering handelt, diese also anzurechnen ist.
Nachdem diese Kategorie nun aber eindeutiger  benannt ist, sollten sich solche Veränderungen zumindest ab der nächsten Saison nicht mehr ergeben und eine echte Vergleichbarkeit zwischen den Jahren herstellen lassen.

Mit dieser Kategorie liegt der BVB nun auch sehr deutlich auf Platz 1, was bei einer nahezu 100%igen Auslastung und den kolportierten 90.000 Dauerkarten-Anfragen wohl nur zwangsläufig ist, wenn man die Gesetze der freien Marktwirtschaft denn unbedingt auf den Fußball übertragen will… allerdings führt hier wohl im Profi-Fußball wohl auch kein Weg dran vorbei, so bedauerlich wir Fans dies auch im Einzelfall finden mögen.
Fairerweise sei hinzugefügt, dass in der für die meisten Fans wohl wichtigsten Kategorie, den Stehplätzen, der BVB (187,-€) sogar ganz knapp am Europapokalplatz vorbeischrammt und hier von Mainz 05 (212,-€, unangefochtener Meister und souveräner Titelverteidiger), dem VfB Stuttgart und Fortuna Düsseldorf (je 195,-€) sowie Schalke 04 (190,50€), FC Augsburg (189,-€) und dem hsv (188,70€, dem Gründungsjahr geschuldet) abgehängt wird.
Am günstigsten steht man, wie schon in der vergangenen Saison, für 120,-€ beim FC Bayern, gefolgt vom VfL Wolfsburg (130,-€), alle weiteren Vereine nehmen mindestens 20,-€ mehr pro Stehplatz-Dauerkarte.

Im “günstig sitzen”-Bereich geht die Preisspanne dann noch deutlicher auseinander. Ist der VfL Wolfsburg mit 200,-€ (und damit unter dem Mainzer Stehplatz) hier unangefochtener “Billig-Anbieter” vor dem 1.FC Nürnberg (240,-€) und dem FC Augsburg (edit: sorry, in der Spalte verrutscht) der Düsseldorfer Fortuna (255,-€), tauchen die Fernrohr-Plätze unterm Dach der großen Stadien von Schalke (364,-€) und Dortmund (365,-€) ganz oben auf, um dann doch noch vom SC Freiburg (370,-€) getoppt zu werden. Hier hat der FC Schalke durch die Einführung einer neuen Kategorie seinen “Meistertitel” vom Vorjahr (434,-€) abgegeben können und der FSV Mainz taucht hier nicht mehr auf, weil ich im Vergleich zum Vorjahr die “Sitzplätze mit Stehempfehlung” auf der Gegengerade zählen lasse, da dies wohl ein ähnliches Prinzip wie in der Singing Area beim FC St.Pauli ist.

“Teuer sitzen” kann man dann in der Mitte der Gegentribüne für das schmalste Geld bei Bayer 04 Leverkusen (470,-€), während bei vier Vereinen sogar mehr als 700,-€ bezahlt werden muss (hsv 727,70€, Eintracht Frankfurt 764,-€, Schalke 04 776,-€ und eben der BVB mit 845,-€).

Im Preisvergleich zum Vorjahr fällt auf, dass mit Schalke und Hoffenheim zwei Vereine eine neue günstigere Kategorie eingeführt und damit den Gesamtpreis gesenkt haben, während Hoffenheim und Wolfsburg tatsächlich sogar Preise einzelner Kategorien gesenkt haben. Vier Vereine (Bayern, Werder, Leverkusen und Nürnberg) gehen mit exakt den gleichen Preisen wie im Vorjahr ins Rennen, der Rest hat mehr oder weniger deutliche Erhöhungen vorgenommen.
Am deutlichsten ist dies natürlich bei den Aufsteigern festzustellen, wo die Fortuna mit knapp 25%, sowie Fürth und die Eintracht mit gut 35% Erhöhung zuschlagen. Während Fürth damit “nur” von Platz 16 der 2.Liga auf Platz 15 der 1.Liga springt, holt sich die Eintracht damit gleich einen Champions League Platz hinter dem BVB und Schalke.

Preise 2.Bundesliga

Hier sind alle Preiskategorien etwas günstiger geworden, was insbesondere dem Aufsteiger aus Aalen zu verdanken ist, der als erster Verein den FC Bayern in die Schranken weist und eine noch günstigere Stehplatzdauerkarte als die Münchener anbietet.
Mit 150,-€ für den Stehplatz liegt die Liga ca. 20,-€ unterm Oberhaus, mit 248,-€ für den günstigsten Sitzplatz ist der Unterschied hier gut 50,-€. Im oberen Preissegment liegt man bei 381,-€ und damit schon über 230,-€ unter der Belle Etage.

Es gibt deutlich weniger Veränderungen zur letzten Saison, mit Bochum, 1860, Paderborn, Union, FSV Frankfurt, Braunschweig, Dresden und Aue haben gleich sieben Vereine die gleichen Preise aufgerufen. Die drei Absteiger haben ihre Preise gesenkt (Hertha um knapp 30%, Köln um knapp 20% und Lautern um knapp 15%) und auch Duisburg, Ingolstadt und Cottbus sind in der Summe etwas günstiger geworden, lediglich der FC St.Pauli (ca. 5%) hat die Preise angehoben.
Beim MSV Duisburg gibt es die Besonderheit, dass auf alle Karten eine “1902 – WIR SIND DABEI“-Pauschale” in Höhe von 19,02€ erhoben wird (in der Tabelle enthalten), die diverse Vergünstigungen bietet.
Übrigens kann der letztjährige Zweitligameister seinen Titel nicht verteidigen, denn Alemannia Aachen hat die Liga bekanntlich verlassen.
Während der VfL Bochum seine Preise auf den ersten Blick ja konstant hielt, fällt eine wichtige “Nebensächlichkeit” dort ab sofort weg. In den letzten zwei Saisons versprach man quasi den Aufstieg, bei (dem ja jeweils eingetretenen) Nicht-Gelingen wurde der DK-Preis anteilig pro Heimniederlage erstattet. Bei sieben Heimniederlagen in 2011/2012 gab es da schon im Stehplatzbereich immer 63,-€ zurück. Dieses Weglassen der “Aufstiegsgarantie” ist dann wohl auch eine Anpassung des Saisonziels.

Stehen kann man, wie schon erwähnt, am günstigsten beim VfR Aalen, für unschlagbare 93,50€. Da folgen der FSV Frankfurt (117,-€) und die Hertha (129,-€) schon deutlich, wobei es ja bei letzterer auch schon Stehplätze im Sitzplatzbereich sind.
Oben verteidigt der TSV 1860 München souverän seine teuren Stehplatztickets mit 192,-€, was natürlich im direkten Vergleich zum FC Bayern (120,-€) nach wie vor auffällt. Mit Jahn Regensburg (180,-€) folgt dann gleich ein Aufsteiger.

Besonders günstiges Sitzen gibt es mit 145,-€ übrigens bei der Hertha (damit noch unter dem Stehplatzdurchschnitt der Liga), sowie in Aue (176,-€) und Cottbus (182,-€), während 1860 (299,-€) Duisburg (299,02€) und erneut Regensburg (300,-€) oben dabei sind, aber vom VfL Bochum (350,-€) deutlich auf die Plätze verwiesen werden.

Die vermeintlich besten Plätze gibt ebenfalls der VfR Aalen (212,50€) für das wenigste Geld her, gefolgt von Cottbus (238,-€) und Sandhausen (250,-€), am oberen Ende der Fahnenstange landen neben dem VFL Bochum (490,-€) die beiden WM-Stadien der Absteiger aus Kaiserslautern (545,-€) und Köln (580,-€).

Anzumerken ist noch, dass sich alle Preise auf 17 Spiele beziehen (bei Dresden wird aufgrund des DFB-Urteils derzeit eine Dauerkarte nur ohne das erste Heimspiel angeboten, dementsprechend habe ich das hochgerechnet) und ich einen “Frühbucherrabatt” in Paderborn (bis 31.Mai) und Cottbus (bis 13.Juli) “wahrgenommen” habe.

Der eigene Verein

Der kleine Seitenblick sei noch erlaubt: Der FC St.Pauli befindet sich zwar jetzt, nach Platz 9 in der Vorsaison, auf Platz 7 der 2.Liga, damit aber weiterhin im Mittelfeld. Im Blickwinkel des geforderten “sozialen” Vereins sind hierbei die Stehplätze  (143,-€) natürlich besonders wichtig, wo man trotz des Aalener Preiskampfes auch weiterhin unter dem Ligaschnitt (150,-€) und insgesamt auf Platz 13 der 2.Liga liegt. Bei dem (ja auch nach Neubau der Gegengeraden weiterhin sehr hohen) Stehplatzanteil sicherlich der wichtigste Bewertungsfaktor.
Außerdem hat der Verein als einziger Verein der zweiten Liga eine nahezu 100%ige Auslastung gehabt (die 95% in der Tabelle sind durch das Spiel in Lübeck sogar noch etwas verzerrt) und könnte sich, der Dortmunder Argumentation folgend, hier ja auch deutlicher der Preisspirale ausliefern, was man derzeit zum Glück nicht tut.
Dafür kann man den Verein dann auch mal loben, kommt ja in letzter Zeit nicht allzu häufig vor. // Frodo

P.S. Ich wurde bereits gefragt, ob auch die Trikot-Preisvergleichstabelle der letzten Saison überarbeitet wird. Antwort: Wahrscheinlich ja, allerdings sind auch lange noch nicht alle Trikots und Preise veröffentlicht.

P.P.S., 08.Juli: Zum Vergleich mal ein paar Zahlen der Premier League aus der kommenden und der Premier League sowie der Championship (2.Liga) der letzten Saison.

P.P.S, 23.Oktober: Die BBC zur aktuellen Premier League – Saison (via Alles Ausser Sport).

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10 Antworten auf Preisübersicht: Dauerkarten 1.&2. Fußball-Bundesliga 2012/2013

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  2. Flotzge sagt:

    Vielen Dank für die Aufstellung…
    Habe eben beim Frühstück gelesen, West Ham United verkauft gerade Dauerkarten für nächstes Jahr… Da fängt die günstigste Kategorie mit 600 Pfund an… Und West Ham ist sicherlich nicht der Luxus club der Liga…
    Nur um den Vergleich zu England zu bringen

    • Frodo sagt:

      Danke für den Hinweis, hab als P.P.S. auch nochmal zwei Links zu englischen Preisen angefügt.

  3. runnertobi sagt:

    Top Aufstellung. Sicher viel Arbeit. Aber interessant mal n Überblick zu haben, wobei ich nicht verstehe, warum du Gegengerade statt “teuerster Sitzplatz i. A.” genommen hast (ohne Catering natürlich).
    Sind bei “meinem Verein” mal eben 125€ Unterschied und (subjektiv) auch ganz klar
    bessere Plätze. 🙂

    • Frodo sagt:

      Danke 🙂
      Die Gegentribüne hab ich der Vergleichbarkeit wegen gewählt, da es auf einigen Haupttribünen mittig gar keine “normalen” Sitzplätze gibt, sondern nur Business-Seats. Außerdem zahlt man auf der Haupt vielleicht auch ein bißchen das “Sehen und Gesehen werden” mit, welches mir als Fan in Bezug aufs reine Fußball gucken erst mal egal sein sollte.
      Kann man aber natürlich gerne (wie jede subjektive Eingruppierung) mal hinterfragen, ich halte es aber derzeit so für “vergleichbarer”.

  4. Hose sagt:

    Schicke Aufstellung, hab vielen Dank!

    Eine Anmerkung noch zur Auslastung: Bei den Bayern gibt’s 901 Plätze für Journalisten, die meines Wissens auch immer voll sind. Es gibt nur 69000 Zuschauerplätze, die ja immer weg sind. Somit wären wir hier bei 100 statt lächerlichen 99%.

    • Frodo sagt:

      Danke 🙂
      Wenn die einzigen rechnerischen Ungenauigkeiten die Interpretation der Auslastung zwischen 99% und 100% ist, scheint es ja nicht allzu viel an der Aufstellung auszusetzen zu geben 😉

  5. Smeller sagt:

    In der Auflistung fehlt für mich eindeutig die Verteilung der verkauften Dauerkarten. Da sind bsplw. die Münchener, die nur 13.500 Stehplätze haben, und die Dortmunder, die aber 25.000 Stehplätze(24.000 sind DK) haben. Von daher vermittelt der Blogeintrag ein völlig verzerrtes Bild.

    • Frodo sagt:

      Danke für Deinen Kommentar.
      Ich bin seit der letzten Saison aber auf der Such nach einer “faireren” Lösung und bisher konnt mir noch keiner wirklich eine nennen, die auch praktisch umsetzbar ist.

      Hast Du eine Idee, wie man die Zahlen vergleichbar machen kann? Also so, dass am Ende eine “Kennzahl” o.ä. rauskommt, die man dann auch sortieren kann?
      Am Beispiel Bayern und BVB kann man das Dilemma ganz gut aufzeigen, denn zum einen sind die Preiskategorien beim BVB inzwischen seeeehr weit gestreut (was nichts schlimmes ist, nur eben die neutrale Vergleichbarkeit erschwert), zum anderen veröffentlicht der FC Bayern die Preise nicht mal mehr öffentlich.

      Was man machen müsste, wäre eine Art Addition der einzelnen Plätze (also x Stehplätz mal Y Euro, plus Z Sitz Kat1 mal soundsoviel Euro). Abgesehen von dem hohen Aufwand (den man sich ja aber auch teilen könnte) ist bei den meisten Vereinen dann auch nicht wirklich herauszufinden, wieviele Plätze in welchem Block sind und schon mal gar nicht, wieviele davon mit Dauerkarten belegt sind.

      Meine Antwort ist bitte auch nicht als beleidigter “Dann mach es doch besser…”-Kommentar zu verstehen, sondern wirklich als ernstgemeinte Frage nach einer gerechteren, transparenten Darstellung.
      Ich bin wie gesagt für Vorschläge offen, gerne kannst Du das ja mal anhand von zwei Vereinen testweise ausprobieren.

      Beste Grüße,
      Frodo

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