Glory, glory days – Teil 2

Eine nicht ganz ernstgemeinte Rubrik in alten Übersteiger-Ausgaben trug diesen Titel. Mit mehr als einem Augenschmunzeln wurde ein Blick in die Zukunft unseres glorreichen FC St. Pauli geworfen. Nachdem im ersten Teil bereits der Aufstieg, das Double und der Gewinn der Champions-League abgefeiert wurden, kann im zweiten Teil ja eigentlich nur noch der Weltpokal folgen… Spaß hat, wer Spaß macht! Here we go!

20. Mai 2026 – Die Feierlichkeiten der Kiezkicker zum Saisonabschluss auf Malle drohen zu entgleisen! Gleich am ersten Abend pinkelt Zeugwart Carsten Pröpper an die große Palme im Hotel-Foyer. Schuld sind natürlich die von Mannschaftsbetreuer Leo Manzi gemixten Caipirinhas. “Da war wirklich nur Cachaca drin”, rechtfertigt sich Leo. Eine Fotografin des Fanzines “ÜS” (Name der Redaktion bekannt) schießt ein Beweisfoto. Im Hintergrund ist Ex-Kiezkicker Marcel Eger als holländischer Tourist verkleidet zu sehen, der mit einer großen Tüte in den Fahrstuhl geht. Kurz darauf wird das Hotel nach einem Feueralarm kurzfristig evakuiert.

Käpt’n Jackson sucht Schale und Pokale
(Foto: ÜS-Archiv)

26. Juni 2026 – Am Morgen der geplanten Abreise werden beide Pokale und die Meisterschale vermisst. “Beide Pokale und die Meisterschale?”, fragt der sichtlich irritierte Hotelmanager. Kurze Bedenkpause eines sichtlich angeschlagenen Käpt’n Irvine. “Ja okay, jetzt fällt’s mir wieder ein, wir spielen ganz woanders… in Liga zwei… Ich liebe dich!”, singt er lediglich mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet, tanzend im Foyer.
Australische Rock-Ekstase pur!
“Wir sind nur Dritter geworden und im DFB-Pokal ausgeschieden”, bereinigt ein sichtlich zerknirscht wirkender Cello Hartel schließlich die Situation und fängt seinen Kollegen ein. Kurz nachdem er die halbe Hotel-Security wild gemacht hat, gibt auch der Chefcoach kleinlaut zu: “Man hat sich einfach daran gewöhnt, jedes Jahr das Triple zu holen”. Der Champions-League-Pokal wird schließlich im Zimmer des Trainers hinter dem bodenlangen Vorhang gefunden. Randvoll mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt. Beim Bezahlen der Frühstücks-Rechnung fällt Präsi Oke fast hintenüber: “700 Bier zum Frühstück…? Das hat nicht mal der TSV Sasel geschafft”.

30. Juni 2026 – Nach dem WM-Aus in der Vorrunde gibt Bundestrainer Holger Stanislawski in Mexiko entnervt auf: “Scheiß auf Supermarkt, scheiß auf den DFB. Ich brauch’ eine Auszeit und mach’ jetzt in Tijuana eine Marihuana-Bar auf!”. Gesagt getan. Hobbygärtner Marcel Eger reist von den Kanaren an und gibt wertvolle und somit wirkungsvolle Anbau-Tipps.

Corsen malen gern
(Foto: Hossa)

14. Juli 2026 – Am französischen Nationalfeiertag findet in Paris das Spiel um den Europäischen Supercup statt. Der Champions-League-Sieger FC St. Pauli trifft auf Europe-League-Sieger SC Bastia. Die Corsen führen nach zwanzig Minuten bereits 3:0. In der Halbzeit feuert Präsident Oke Göttlich den Trainer, wird aber seinerseits zeitgleich per Handzeichen aus der Kurve von den Fans seines Amtes enthoben. Die somit nun Ex-Vize-Präsidentin und jetzt Club-Chefin Sandra Schwedler stellt Fabian Hürzeler umgehend wieder ein und der FC St. Pauli dreht das Spiel auch ohne seinen Cheftrainer Hürzeler, der in der 60. Minute glatt Rot sieht. 4:3 heißt es am Ende. Beide Fanlager feiern gemeinsam zwischen Père la Chaise und Montmartre. Der Eiffelturm wird im Laufe der Nacht braun und weiß angemalt und zum Sankt-Unesco-Kulturdenkmal erklärt. Am frühen Nachmittag verlässt der durch Hanffasern betriebene vereinseigene Sonderzug des frischgebackenen Supercupsiegers die Gare du Nord.

31. Juli 2026 – Während die gesamte Liga auf dem Transfermarkt aktiv war und rund 500 Milliarden Euro ausgegeben hat, zieht der FC St. Pauli gleich sechs Kicker aus der eigenen U19 hoch. Einziger Neuzugang ist Youssoufa Moukoko, der ablösefrei vom BVB ans Millerntor zurückkehrt. Sein Berater und Ex-St. Pauli-Amateur-Kicker Patrick Williams: “Zuhause ist’s doch am schönsten”.

02. August 2026 – Das Clubheim ist pleite und meldet Insolvenz an! Ballkult e.V., Träger des “Jolly Roger”, springt kurzfristig ein und fortan gibt es das “Molly Roger” in der Südkurve am Millerntor. An diesem Sonntagabend springt ein sichtlich erregter Mensch plötzlich in die Kneipe und brüllt: “Macht die Glotze an! Es ist etwas passiert!”. Kurz darauf verkündet Bundeskanzler Sven Brux in den Spätnachrichten das endgültige Verbot der AfD.

Manolis saliakas als Comicfigur, gezeichnet von Guido Schröter
Griechen gegen Rassismus!
(Comic: Guido Schröter)

08. August 2026 – Die neue Bundesliga-Saison beginnt. Zu Gast am Millerntor ist erstmals der HFC Falke. Gesponsert durch einen Brause-Fabrikanten und dank neuer Regularien seitens der DFL-Investoren um Hörgeräte-Fachmann Martin Kind, gelang dem “Kleinen Bruder” der Volxparkkicker ein rasanter Aufstieg. Zu hören gab es zum Auftakt nicht viel, dafür ordentlich auf die Ohren. 7:0 hieß es am Ende für die Guten. Einzig die Rote Karte für Manolis Saliakas schmerzt. Nach einem Wortgefecht mit HFC-Trainer Marinus Bester boxte unser Grieche diesen einfach mal um. “Fuck Ouzo, hat der gesagt. Das ist rassistisch”, gibt Manolis nach dem Spiel zu Protokoll. Er hatte allerdings “Fuck you” gesagt, wie zahlreich anwesende Fanzine-Reporter*innen bestätigten. Egal – wäre dann auch gleichfalls Rot.

20. Oktober 2026 – Nach der 0:3-Pleite seines VfL Bochum am Millerntor klebt sich Gäste-Coach Peter Neururer auf der Trainerbank mit klimafreundlichem Leim fest. “Ich bleibe so lange hier, bis ich endlich St. Pauli-Trainer bin”.

23. November 2026 – Auf der Jahreshauptversammlung wird der Antrag auf ein “Retterspiel” zu Gunsten des VvV (Verein vom Volxpark) einstimmig abgelehnt. Am selben Abend gewinnt die DFB-Elf, die ausschließlich aus braun-weißen Kickern besteht, unter ihrem neuen Trainer Timo Schultz das erste Quali-Spiel zur kommenden EM gegen Aserbaidschan durch ein Eigentor in der 99. Minute 1:0. Zeitgleich erreicht St. Paulis “B-Elf” auf dem Kunstrasen in Norderstedt mit einem glanzlosen 5:0-Arbeitssieg über den Oberligisten VvV das DFB-Pokal-Achtelfinale.

01. Januar 2027 – “Das wird jetzt anstrengend”, mutmaßt Bundeskanzler Sven Brux, als er auf dem Neujahrsempfang zum neuen DFB-Präsidenten ernannt wird. Als erste Amtshandlung ändert er die Farben des Nationaldress in Braun-Weiß. Auf der Brust prangt fortan das Logo des neuen Sponsors: “Übersteiger – Zeckenblatt!”. Peter Neururer wird mit Speiseöl vom Sitz der Trainerbank gelöst und zum U23-Trainer ernannt. Bei seinem zweifach gesprungenen Axel und anschließenden “Shuffle-Dance” bricht er sich beide Sprunggelenke. Dumm gelaufen!

14. Februar 2027 – Der “Valentinstag” wird hierzulande verboten. ÜS-Redakteurin Franzi K. mobilisiert (unterstützt durch Blumenzüchter*innen und -verkäufer*innen) zu einer Demo. Nach dem 4:1-Sieg im Pokal-Viertelfinale über Zweitligist Werder Bremen, folgen 200.000 Pubquiz-Fans ihrem Aufruf. “Valentins-Quiz für alle, sonst gibt’s Krawalle!”, lautet der etwas holprige Schlachtruf. Der komplette Feierabendverkehr in der Stadt kommt zum Erliegen. “Ein ganz großer Tag für die Liebe”, beginnt Franzi ihre Rede bei der Abschlusskundgebung auf dem völlig überfüllten Heiligengeistfeld mit Tränen in den Augen und einem Helbing in der Hand.

Fußball, Frieden & Liebe ist alles was die Welt braucht! Foto: Arigrafie

Am Abend platzt das Jolly Roger beim Pubquiz aus allen Nähten. 200 Vierer-Teams sind am Start. Die Budapester Straße wird kurzerhand gesperrt und der Quiz auf einer Großbildleinwand draußen übertragen. Das Gespann Stephan / Olli holt sich, wie fast immer, den Sieg mit der richtigen Antwort auf die Finalfrage: “Wer bekam als einziger bei der WM 1970 die neu eingeführte Rote Karte zu sehen?”.

01. März 2027 – Bitteres DFB-Pokal-Aus für die St. Paulis Profis. 0:1 geht das Duell gegen die eigene U23 verloren, die erstmals seit 20 Jahren als Hamburger Pokalsieger wieder am DFB-Pokal teilnehmen darf. Wie 1969 ist ein vereinsinterner Streit die Folge. Peter Darzow, damaliger Torschütze des Siegtores für die Amateure, versucht zu vermitteln: “Ein Tor ist ein Tor ist ein Tor!”.

Tritt als Bundestrainer zurück: Timo Schultz
(Foto: Hossa)

04. April 2027 – Uefa-Präsident Bernd Neuendorf gibt bekannt, dass die EM 2028 erneut in Deutschland stattfindet. “Es war 2024 ein großartiges Turnier, ja ein Sommermärchen und das wird es immer, wenn die DFB-Elf früh ausscheidet. Dieses Ziel verfolgen wir weiterhin”. Bundestrainer Timo Schultz tritt umgehend zurück: “Da mach’ ich lieber einen Supermarkt auf”. Er übernimmt in Köln eine “Rewe”-Filiale. Per kurzfristig einberaumten Volxentscheid wird Jürgen Klopp als Nachfolger zwangsverpflichtet!
Beim Abendspiel am Millerntor gegen Bayer Vizekusen fehlt Trainer Fabian Hürzeler auf der Bank. Aber nicht wegen einer Gelb- oder Rotsperre. Vielmehr ist der in Texas geborene Coach als Stunt-Double für “Old Shatterhand”-Darsteller Christian Bönig bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg dabei.

15. Mai 2027 – St. Paulis U23 gewinnt das DFB-Pokalfinale im leerstehenden Volxparkstadion, wo die Endspiele seit letztem Jahr stattfinden, mit 5:0 gegen den HFC Falke. Neururer jubelt: “Jetzt bin ich ein ganz Großer!”. Auf dem total verwilderten Vorplatz der einstmals fast ruhmreichen Arena, baut er sich aus Matsch und Schlamm ein Denkmal: Eine übergroße Abbildung seines rechten Fußes.

Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli
(Foto: ÜS-Archiv)

07. Juni 2027 – Die Profis beenden die Saison abermals nur als Tabellendritter. Präsident Oke Göttlich bildet inzwischen die Doppelspitze des Vereins mit Sandra Schwedler. Diese tobt und fordert die sofortige Entlassung des Trainers: “Was erlaube Hürzeler? Nur dritte Platze!! Hüüüürzeler! Ist Trainer wie Flasche leer!”. Sportchef Andreas Bornemann entgegnet: “Aber er hat doch noch lange nicht fertig”.

30. Juli 2027 – Sensation! Die Bestsellerautoren Glindmeier, Havekost und Klein veröffentlichen nach 18 Jahren endlich den zweiten Band ihrer angestrebten Trilogie, diesmal mit dem Titel “St. Pauli bleibt die einzige Möglichkeit”.
Bei der Premieren-Lesung im „Molly Roger“ kommt es zum Eklat: Ex-Trainer Uli Maslo stürmt auf die Bühne und droht den Autoren wie 2010 erneut mit einer Klage. „Ich bin nach wie vor nicht der weltbeste Trainer, sondern der weltbeste Trainer der Welt! Außerdem bin ich stolz ein Deutscher zu sein“. Ein weltbestes und lebenslanges Hausverbot ist die logische Folge. // Hossa
Fortsetzung folgt… hier

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